Neben der Union Dietach gibt es in der Regionalliga Mitte noch einen weiteren Verein, der in der Spielzeit 2025/26 seine Premierensaison absolviert: ATUS Velden. Die Mannschaft von Marcel Kuster holte sich in der vergangenen Saison überlegen den Meistertitel in der Kärntner Liga. Das erste halbe Jahr in der dritthöchsten Spielklasse verlief für die Elf vom Wörthersee allerdings nicht ganz nach Wunsch. Trotz ordentlicher Leistungen halten die Kärntner nur bei 14 Punkten und Tabellenrang zwölf. Dennoch besteht für die Veldener kein Grund zur Sorge, aufgrund der Regionalliga-Reform wird es keinen Kärntner Absteiger geben. Trainer Marcel Kuster sprach mit LIGAPORTAL über seine Eindrücke nach einem halben Jahr Regionalliga, warum es in der Offensive nicht nach Wunsch lief und wie die Reform seine Arbeit beeinflusst.
Der ATUS Velden feierte am Ende der vergangenen Saison den erstmaligen Aufstieg in die Regionalliga
LIGAPORTAL: Für Velden ist es die erste Saison in der Regionalliga Mitte. Was waren für euch im Verein die größten Herausforderungen?
Marcel Kuster: Vor allem organisatorisch ist es ein größerer Aufwand. Die Busreisen und das Essen müssen organisiert werden. Die Kommunikation mit den Spielern muss weiterhin passen. Das ist bei uns nicht einfach, da der Staff rundherum relativ klein ist und auch im Vorstand nicht viele Leute sind. Somit hat jeder ein bisschen mehr tun müssen, aber das hat sich alles recht schnell eingependelt.
LIGAPORTAL: Wie zufrieden seid ihr mit den 14 geholten Punkten in dieser Halbsaison?
Marcel Kuster: Wir haben einige sehr gute Spiele gemacht und extrem viele Chancen kreiert. Das stimmt mich als Trainer natürlich positiv. Dazu haben wir häufig den Ball gehabt und das Spiel gemacht. Allerdings haben wir auch Lehrgeld gezahlt, weil wir viel Risiko in den Spielen gegangen sind. Natürlich spielt da auch die Konstellation mit der Regionalliga-Reform eine Rolle. Da es keinen Absteiger geben wird, kann man mehr riskieren und man muss nicht auf jeden Punkt schauen. Wir haben attraktiven Fußball gezeigt, hätten aber definitiv gerne ein paar Punkte mehr auf dem Konto.
LIGAPORTAL: Du hast gesagt, ihr habt Lehrgeld bezahlt. Ihr habt jedoch einige erfahrene Spieler in der Mannschaft, hat die Anpassung an die Liga trotzdem ein bisschen gedauert?
Marcel Kuster: Ja, zu 100 Prozent. Viele von uns haben noch nie in der Regionalliga gespielt. Trotz unserer professionellen Arbeitsweise mussten die Spieler das erst aufnehmen. Am Ende haben sie das aber sehr gut umgesetzt. Ich bin guter Dinge, dass wir aufgrund dieser Entwicklung in der Rückrunde mehr Punkte holen werden.
LIGAPORTAL: Welche Highlights aus dem Herbst sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Marcel Kuster: Das Highlight für uns war auf jeden Fall die erste Cup-Runde gegen Neusiedl. Wir waren bis zur 90. Minute in Rückstand und haben das Spiel dann in der Nachspielzeit gedreht. Dadurch kam es erst zum Cupschlager gegen Hartberg, wo wir das 0:0 bis in der Verlängerung gehalten haben. In der Liga ist mir der deutliche Derbysieg zu Hause gegen Treibach besonders in Erinnerung geblieben.
LIGAPORTAL: Eure Defensive war im Herbst sehr stabil. Offensiv habt ihr euch hingegen schwergetan. Was ist aus deiner Sicht das Problem?
Marcel Kuster: Wir sind vor dem Tor sehr harmlos. In den ersten Spielen haben wir mit Tom Zurga einen Spieler gehabt, der für uns die Tore gemacht hat. Danach konnten sich die Gegner gut darauf einstellen, wer bei uns die Tore schießt. Die restlichen Spieler, die auch die nötige Abschlussqualität hätten, haben aber noch nicht so performt. Aber das ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ein anderer für Zurga einspringt.
LIGAPORTAL: Wollt ihr euch im Winter in der Offensive verstärken?
Marcel Kuster: Wir werden keinen Top-Stürmer holen, denn wir wollen jedem die Chance geben, der mit uns den gemeinsamen Weg in die Regionalliga gegangen ist. Als Trainer bin ich davon überzeugt und gefordert, entsprechend daran zu arbeiten. Einen Transfer haben wir aber schon fixiert. Benjamin Mulahalilovic wird uns ab Winter im Mittelfeld verstärken. Mit ihm bekommen wir auch wieder einen erfahrenen Spieler, der im Profibereich tätig war. Ansonsten wird es bei uns ruhig bleiben. Mit Luca Pollanz und Michael Fasching wird es zwei Abgänge geben.
LIGAPORTAL: Aufgrund der Regionalliga-Reform könnt ihr in dieser Saison befreit aufspielen. Inwieweit beeinflusst das eure Arbeit?
Marcel Kuster: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es überhaupt keine Rolle spielt. Normalerweise wären wir jetzt noch im Abstiegskampf, wenn es drei Absteiger geben würde, und dann müssten wir unsere Spielweise natürlich anpassen. So haben wir ein super Jahr zum Weiterentwickeln, was den ganzen Verein anbelangt und wir können von Woche zu Woche ruhig arbeiten und die jungen Spieler weiterentwickeln.
LIGAPORTAL: Wie seht ihr als Verein die Regionalliga-Reform insgesamt?
Marcel Kuster: Wir sind der Reform gegenüber offen, aber ich denke nicht nur an uns und ich glaube, dass es für einige Mannschaften aus der Kärntner Liga schwer werden könnte, in der Regionalliga Fuß zu fassen. Vor allem für Vereine, die sich nicht speziell darauf vorbereiten und dann vielleicht überraschenderweise den Aufstieg schaffen, wird das sicher eine Riesenherausforderung. Wir als Verein wollen völlig wertfrei in diese neue Liga starten und schauen, was sie bringt.
LIGAPORTAL: Gibt es trotz der Reform konkrete Ziele für das Frühjahr?
Marcel Kuster: Wir wollen auf jeden Fall mehr Punkte machen und mehr Tore schießen als im Herbst und weiterhin attraktiven Fußball spielen. Oberste Priorität hat für uns aber, dass wir wieder zu unserer Heimstärke zurückfinden. Wir waren immer eine Heimmacht und seitdem ich in Velden Trainer bin, haben wir nur eine Hand voll Spiele verloren. Gegen Ende der Herbstsaison ist dieser unbedingte Wille zu Heimsiegen etwas verloren gegangen – das will ich nicht mehr akzeptieren.
Foto: Facebook ATUS Velden