Regionalliga West

(Zu viele) Englische Wochen lutschen Westligisten aus - "Hätten uns wehren müssen"

Die Beine werden schwerer, die Schritte kürzer - und irgendwann reicht nicht einmal der Wille. Was sich aktuell für einige Klubs aus der Regionalliga West abspielt, ist mehr als nur ein dicht gedrängter Spielplan. Es ist ein schleichender Verschleiß, der Spieler an ihre Grenzen bringt - vor allem körperlich.


Foto: Adi Aschauer

 

Als Extrembeispiel gilt die SVG Reichenau: Die Innsbrucker Dauerbrenner absolvierten zwischen dem 15. März und dem 19. April in nur 36 Tagen insgesamt elf (!) Spiele. „Bei uns wird öfter gespielt als in der Bundesliga“, stellte Seekirchen-Trainer Mario Lapkalo fest, dessen Team im selben Zeitraum neun Partien bestritt. Zum Vergleich: Bundesligist Sturm Graz kam in dieser Phase lediglich auf sechs Einsätze.

 

Aufstockung sorgte für vollen Spielkalender

Hinter diesem dicht gedrängten Spielplan steckt vor allem die Aufstockung der Liga von 16 auf 17 Vereine im vergangenen Sommer. Ein Schritt, den Kuchl-Trainer Tom Hofer kritisch sieht: Seiner Meinung nach hätten sich die Klubs stärker dagegen wehren müssen. Denn neben dem Ligaalltag kommen für viele Mannschaften auch noch Spiele im Landescup hinzu.

 

"Unmenschliche" Belastung treibt Verletzungszahlen in die Höhe

Das eigentliche Problem zeigt sich jedoch auf dem Platz: Woche für Woche gehen die Spieler an ihre Grenzen, kämpfen und investieren alles – mit steigenden körperlichen Folgen. Verletzungen sind keine Ausnahme mehr, sondern beinahe schon Alltag. Namen auf der Ausfallliste sind keine Randnotizen, sondern stehen stellvertretend für ein System, das überfordert.

Hofer findet dafür deutliche Worte. Er bezeichnet die Belastung als „unmenschlich“ – ein harter Ausdruck, aber einer, der hängen bleibt. Während Profis optimale Regenerationsbedingungen vorfinden, müssen Amateurspieler unmittelbar nach den Spielen wieder in ihren Berufs- oder Ausbildungsalltag zurückkehren. „Am Montag müssen unsere Spieler wieder in die Arbeit, Schule oder an die Uni“, erklärt Hofer – und stellt damit die Frage, wie unter solchen Umständen ausreichende Erholung möglich sein soll.

Rotation wäre eigentlich ein sinnvoller Ansatz, um die Belastung zu verteilen und auch weniger eingesetzten Spielern Chancen zu geben. Doch laut Lapkalo ist das beispielsweise in Seekirchen aktuell planmäßig kaum umsetzbar: „Wir können nicht rotieren, wir müssen“ – vor allem aufgrund der vielen verletzten Spieler.

 

Neun Ausfälle gegen Dornbirn - Schwaz am Limit

Besonders angespannt ist die Lage auch in Schwaz. Dort führen viele Ausfälle zu ungewöhnlichen Maßnahmen: So nahm vor wenigen Wochen sogar der 42-jährige Tormanntrainer Martin Troppmair auf der Ersatzbank Platz. Beim Heimspiel gegen Dornbirn stand zudem Co-Trainer Hannes Dürnberger im Kader, obwohl er seine aktive Karriere bereits im Sommer beendet hatte. Trainer Akif Güclü konnte nach dem 2:0-Erfolg zwar schmunzeln, doch die Personalsituation bleibt kritisch – schließlich musste er in dieser Partie auf gleich neun Spieler verzichten.

 

Unterm Strich zeigt sich: Sämtliche Westliga-Klubs stoßen derzeit an ihre Grenzen. Der dichte Spielplan fordert seinen Tribut – nicht nur in Form von Ergebnissen, sondern vor allem auf Kosten der Gesundheit der Spieler. Ohne Anpassungen bei Spielrhythmus oder Ligastruktur droht die Belastung weiter zuzunehmen – mit Folgen, die langfristig weder für die Vereine noch für den Fußball in dieser Form tragbar sind.