Nach dem gesundheitsbedingten Abgang von Harald HEL coacht nun eine echte „Größe“ der oftmaligen österreichischen Meisterinnen und Cupsiegerinnen aus Kleinmünchen den „zweiten Anzug“ der Ottensheim-Ladies:
Ligaportal: Frau Riederer, was hat zu Ihrem Engagement beim 2. Frauenteam Ottensheims maßgeblich beigetragen?
Judith Riederer: „Wir haben unseren Familienwohnsitz vor 3 Jahren nach Ottensheim verlegt und da bin ich auch mit dem Fußballverein in Kontakt gekommen. Ich wurde dann des öfteren gefragt, ob ich mir eine Trainerinnen-Tätigkeit vorstellen könnte, wollte mich aber zuerst konsolidieren, auch beruflich. Jetzt hat es gepasst, ich konnte meine Termine so einrichten, dass mir dieses Engagement möglich ist. Vorweg: Ich bin vom Verein und den Mädels voll begeistert!“
In Ihrer aktiven Zeit haben Sie die „goldene Zeit“ der Linzerinnen mit Siegen „am laufenden Band“ maßlich mitgeprägt, war Ihr persönlich schönster Erfolg der Siegtreffer im Super-Cup-Finale 2001 gegen USC Landhaus?
„Ja, mein erfolgreicher Freistoß zählt sicher zu meinen schönsten Erlebnissen. Aber 1 Tor gab es noch, das für mich noch einen höheren Erinnerungswert hat!"
Jetzt haben Sie mich aber meine Neugierde noch mehr gereizt, wie kam es dazu ?
„ Das war am Ende der Meisterschaft 1989/90 in der Bundesliga: wir hatten unmittelbar nach Meisterschaftsende ein Turnier auf Sardinien vereinbart und dazu vom ÖFB die Erlaubnis eingeholt, deshalb unser Spiel in der letzten Runde schon am vorhergehenden Mittwoch in Brunn am Gebirge austragen zu können. Dort mussten wir gewinnen, wollten wir die Chance auf Platz 1 nützen. Bis zur 90. Minute stand es 1:1, aber in der 92. gelang mir das 2:1, womit wir wenigstens die 2 Punkte holten, und mein erstes Bundesligator hatte sie gesichert! Die Entscheidung fiel aber erst am Wochenende, als wir schon in Italien weilten; Ostbahn XI spielte nur Remis, so holten wir uns dank meines „last-Minute-Tores“ den 1. Meistertitel, deshalb meine „zweigeteilte“ schönste Erinnerung!"
Von 2007-2013 waren Sie ja schon als Coach für Kleinmünchen tätig, warum die lange Pause?
"Beruflich hatte ich mich damals im Unternehmen ins Mittlere Management emporgearbeitet und die dienstlichen Anforderungen ließen sich zeitlich nicht mehr mit Trainingszeiten vereinbaren.“
Haben Sie dem Sport auch in der Freizeit nicht mehr gefrönt?
„Nein, ich habe mich umorientiert, habe mit dem Sportkegeln begonnen, etwas Rundes sollte schon dabei sein (schmunzelt), und dann habe ich mich fußballerisch einem Hobbyverein mit netter Gemeinschaft angeschlossen, wo ich noch immer mitmache.“
Wer unterstützt Sie bei der Betreuung der Mädels, wie werden bei Ihnen die Aufgaben verteilt?
„ Mir ist sehr wichtig, festzuhalten, dass ich beim TSV Ottensheim ein unglaublich tolles Gefüge vorgefunden habe, ich bin ja schon länger „Zaungast“ und habe mich auch eingebracht. Nach dem bedauerlichen Rückzug von Harald Hel aus gesundheitlichen Gründen habe ich die Funktion als Cheftrainerin übernommen und werde von meinen beiden „Co“-Betreuerinnen Magdalena Rois und Doris Hofmann optimal unterstützt. Sie nehmen mir die bürokratischen Anforderungen ab, ich kann mich voll auf die Trainerin-Agenden konzentrieren".
Wann sind Sie eingestiegen?
„ Seit Mitte März arbeite ich mit den Mädels, die Trainingsbeteiligung ist extrem stark, die Mädels sind voller Begeisterung dabei und sind begierig, immer wieder dazu zu lernen".
Wurden Sie und Ihre Mannschaft in der Vorwoche beim 1:3 von der SPG Perg ASKÖ / Windhaag / Perg von deren Spielstärke überrascht?
„Die Heim-Elf hat uns von Beginn an unter Druck gesetzt, dann konnten wir das Spiel ausgeglichen halten, sogar etwas mehr vom Spiel haben. Wir trafen Latte und Stange, gerieten durch 1 Elfer in Rückstand, glichen per Freistoß aus, zur Pause stand es 1:1. Nach der Halbzeit gaben die Gastgeberinnen wieder Vollgas, schafften das 2. Tor und gaben die Führung nicht mehr ab".
Ihre Ziele für das Frühjahr?
„Aus den jungen Mädels, die teilweise noch vor nicht langer Zeit in der MHL spielten, vor allem eine kompakte Mannschaft formen, die mit Spaß ans Werk geht, füreinander kämpft und spielt und sich vor allem stetig weiterentwickelt. Wenn sich dann aus den Resultaten ein Spitzenplatz ergibt, nehmen wir ihn gerne an, aber er ist nicht mein Hauptziel“.
Herzlichen Dank für Ihre kostbare Zeit, ich wünsche Ihnen, dass die „Saat“ Ihres großen Fußball- Know-how reiche Früchte bei Ihren Mädels bringt!
Helmut Pichler