Die Blau-Weiß Linz Amateure blicken zurück auf eine sorgenfreie, gute erste Spielzeit nach der Rückkehr in die Landesliga Ost. Mit gesammelten Zählern liegt man eine Runde vor Schluss auf Rang sechs, wenn man gegen Meister ASK St. Valentin am Wochenende gewinnt könnte die Jagodic-Elf mit etwas Schützenhilfe auf Rang vier enden. Dies mit einer blutjungen Mannschaft, die mittlerweile erstaunlich viel Erfahrung im Erwachsenenfußball schnuppern konnte. In der kommenden Saison plant man erneut weitere Verjüngung, sollen zehn Spieler aus der U18 hochgezogen werden. Ligaportal sprach unter anderem darüber, das Projekt Nachwuchszentrum und den aktuell in den Medien omnipräsenten Rückzug der ASKÖ Oedt in die Landesliga mit Werner Mayer, dem Sportchef der BW Linz Amateure.
Ligaportal: Ihr werdet diese Saison im vorderen Drittel beenden. Wie zufrieden seid ihr mit dem Abschneiden?
Mayer: „Wir sind zufrieden, dass wir als Aufsteiger von Beginn an vorne mitspielen konnten. Ganz zufrieden dürfen wir jedoch nicht sein, da wir einige Punkte unnötig liegen gelassen haben. In mehreren Spielen kassierten wir erst in den Schlussminuten den Ausgleichstreffer oder mussten sogar Niederlagen hinnehmen. Auf der anderen Seite konnten wir auch Spiele für uns entscheiden, die durchaus einen anderen Verlauf hätten nehmen können. Über die gesamte Saison hinweg konnte unsere junge Mannschaft ihre Leistung als Team nicht immer konstant abrufen. Daran werden wir arbeiten und gleichzeitig die erfahrenen Spieler stärker in die Verantwortung nehmen – besonders in schwierigen Phasen. Das wird die größte Herausforderung für uns in der kommenden Saison sein. Das haben beispielsweise die beiden Aufsteiger, der Meister ASK St. Valentin und SV Garsten, besser gemacht. Ihnen möchte ich an dieser Stelle zum verdienten Aufstieg in die OÖ-Liga gratulieren. Sehr positiv: Wir haben als Aufsteiger bislang 72 Tore erzielt. Nur Valentin und Garsten haben noch mehr Treffer auf dem Konto. Das zeigt klar, für welchen offensiven Fußball wir stehen."
Ligaportal: Im letzten Jahr habt ihr intensiv am Projekt „Nachwuchszentrum“ gearbeitet. Zuletzt scheiterten bekanntlich Gespräche mit der Stadt Traun. Wieso?
Mayer: „Die Gespräche mit der Stadt Traun scheiterten letztlich daran, dass hinsichtlich der Nutzung des Sportareals sowie der Einhaltung der Vorgaben des ÖFB-Regulativs für Nachwuchszentren keine ausreichende Übereinstimmung erzielt werden konnte. Unser Ziel war es, mit dem Nachwuchszentrum optimale Rahmenbedingungen für die Ausbildung und Entwicklung unserer jungen Spieler zu schaffen und gleichzeitig eine Win-win-Situation für alle Beteiligten zu erreichen. Trotz konstruktiver Gespräche und eines bereits gefassten Grundsatzbeschlusses konnten letztlich keine gemeinsamen Rahmenbedingungen gefunden werden, die eine erfolgreiche Umsetzung des Projekts ermöglicht hätten. Bedauerlicherweise wurden im Zuge des Entscheidungsprozesses auch Einflüsse außerhalb des unmittelbaren Verhandlungskreises wirksam, wodurch aus unserer Sicht die Interessen von mehr als 70 Nachwuchsfußballern nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Wir respektieren die getroffenen Entscheidungen, hätten uns jedoch eine stärkere Ausrichtung auf die langfristige Förderung und Weiterentwicklung des Nachwuchsfußballs gewünscht. Wir arbeiten bereits an einer anderen Lösung. Persönlich hoffe ich, dass sich alle Verantwortlichen des Vereins geschlossen hinter dieses Projekt stellen und es gemeinsam mittragen. Gerade bei Vorhaben dieser Art ist es wichtig, dass Unterstützung und Verantwortung nicht nur bei Erfolgen sichtbar werden, sondern auch dann bestehen bleiben, wenn Herausforderungen auftreten oder nicht alles wie geplant verläuft."
Ligaportal: Die ASKÖ Oedt hat in den letzten Wochen die Schlagzeilen dominiert. Laut Franz Grad wird man die Landesliga „niederspielen“. Wie steht man als Verein und zukünftiger Konkurrent zu dieser Aussage?
Mayer: „Ich will dieser Aussage nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, denn genau darauf ist sie ja gezielt ausgelegt. Wir werden gegen Oedt genauso auftreten wie gegen jeden anderen Gegner: mutig, mit voller Intensität gegen den Ball und mit Selbstvertrauen im letzten Drittel."
Ligaportal: Die 1. Mannschaft ist ja aus der Bundesliga abgestiegen. Inwiefern betrifft das die Amateure?
Mayer: „Das betrifft uns sportlich gesehen nicht, da wir seit Jahren auf uns selbst gestellt sind und nur sporadisch Unterstützung erhalten. Gleichzeitig hat es uns gefreut, dass in der vergangenen Saison bereits 13 verschiedene Spieler Profiluft schnuppern durften. Ich gehe davon aus, dass unsere Jungs weiterhin, positionsbezogen und bei Bedarf von der Profiabteilung abgerufen werden. Wirtschaftlich gesehen ändert sich nicht so viel. Im Vergleich zu anderen Landesligisten im oberen Drittel befinden wir uns beim Budget eher im unteren Drittel. Da wir bewusst wieder auf unseren eigenen Nachwuchs setzen, wird automatisch eingespart."
Ligaportal: Wie lauten die Zukunftspläne hinsichtlich Kaderplanung und Infrastruktur (Stichwort Spielort)?
Mayer: „Die Kaderplanung ist abgeschlossen, der Kern der Mannschaft und die Schlüsselspieler bleiben erhalten – ein wichtiges Signal für Stabilität und Kontinuität. Insgesamt werden zehn Spieler aus der U18 in die Amateure Mannschaft hochgezogen. Dabei handelt es sich um sehr talentierte Spieler mit großem Entwicklungspotenzial, die schrittweise an den Erwachsenenfußball herangeführt werden. Der eingeschlagene Weg der nachhaltigen Kaderentwicklung wird konsequent fortgesetzt und der Fokus liegt weiterhin stark auf der eigenen Jugend. Wir werden unsere Spiele weiterhin in Weißkirchen austragen, da wir dort ein sehr gutes Umfeld vorfinden. Eine Nutzung des Stadions ist leider nicht möglich. Für die Hintergründe dieser Entscheidung bin ich jedoch nicht der zuständige Ansprechpartner."