von Dr. René Riedl
In ihrer Ausgabe vom 13. August 2007 berichtet die österreichische Tageszeitung STANDARD unter der Überschrift „Das Ende des Ehrenamtes“, dass die burgenländische Gebietskrankenkasse die Fußballvereine bis zur Landesliga unter die Prüflupe nimmt – das Finanzamt will sich dieser Prüfaktion übrigens anschließen. Der Fußballverband fürchtet nun, dass dies nur der Auftakt zu einer österreichweiten Aktion ist, die den Sport in seinen Grundfesten erschüttern wird. Dem Zeitungsbericht zu Folge ist das Ziel der Aktion, die mögliche Verschleierung faktischer Arbeitsverhältnisse – gemeint ist das Verhältnis zwischen den Spielern und dem Verein – und damit eine allfällige Abgabenhinterziehung aufzudecken.
Im Herbst 2007 werde ich gemeinsam mit dem renommierten Wirtschaftstreuhänder und Vereinsexperten Dr. Herbert Grünberger die zweite Auflage des Handbuches Vereinsmanagement herausgeben. Genauso wie schon in der ersten Auflage aus dem Jahr 2004 werden wir auch die zweite Auflage mit einem Zitat des weltbekannten Ökonomen John M. Keynes einleiten: Der Sturz aus dem zehnten Stockwerk verläuft bis zum Parterre völlig problemlos.
Es zeichnet sich bereits
seit einigen Jahren ab, dass das Umfeld, in dem Vereine heute und in Zukunft
agieren werden, sich von jenem vergangener Tage doch recht deutlich
unterscheiden wird. Gesellschaftliche Trends wie beispielsweise die zunehmende
Individualisierung oder das Angebot vieler attraktiver Freizeitaktivitäten
erschweren die Rekrutierung ehrenamtlicher Mitarbeiter. Aus haftungs- und
steuerrechtlicher Sicht wurde mit dem Vereinsgesetz 2002 eine neue gesetzliche
Grundlage für Vereine geschaffen, die in Kombination mit anderen Gesetzen und
Richtlinien (z. B. Toto-Richtlinien) den rechtlichen Handlungsspielraum für
Vereine bestimmen. Viele Funktionäre in Fußballvereinen verkennen meines
Erachtens die Konsequenzen der veränderten Rahmenbedingungen. Ich denke hier
insbesondere an haftungsrechtliche Fragestellungen. Ich gehe davon aus, dass
viele Funktionäre in Fußballvereinen die aktuelle Rechtslage nicht ausreichend
detailliert kennen. Ich rate daher, dass sich insbesondere die
Vorstandsmitglieder eines Vereins erstens mit den geltenden Bestimmung
auseinandersetzen und auch die Expertise von Professionisten bei ihren
Vereinsentscheidungen berücksichtigen … die Landung auf dem Boden kann
nämlich unsanft sein, wenn man aus dem zehnten Stockwerk fällt.