von Dr. René Riedl
Sind Gruppenentscheidungen
besser als Einzelentscheidungen? In den meisten Fällen „Ja“. Damit von einer
Gruppe getroffene Entscheidungen gut sind, muss eine konstruktive
Konfliktkultur herrschen. Das bedeutet, dass weder zu wenige noch zu viele
Konflikte vorherrschen sollten. Entscheidend ist, dass zu viel Harmonie dazu
führen kann, berechtigte Kritik zurückzuhalten, und diese begünstigt die
einseitige Betrachtung von Problemen. Der Linzer Psychologieprofessor Eduard
Brandstätter erläutert mit seiner Mitarbeiterin Manuela Birgit Gußmack
Maßnahmen, die zur Schaffung einer
konstruktiven Konfliktkultur einen wirksamen Beitrag leisten können.
Drei aus meiner persönlichen Einschätzung ganz zentrale Maßnahmen sind im
Folgenden angeführt.
Der Erste soll der Letzte
sein
Vereinsmanager, insbesondere
Obmänner und Präsidenten, sollen ihre Meinung als Letzte äußern. Im anderen
Fall, wenn also der Vereinsmanager zuerst seine Meinung äußert, kann dies die Position
von Mitarbeitern und Ehrenamtlichen im Verein beeinflussen, weil Obmänner und
Präsidenten oftmals mehr Macht besitzen. Daher besteht die Tendenz, die Meinung
der „Mächtigen“ zu unterstützen oder nur zu ergänzen. Kritik wird daher selten
geäußert.
Anonyme Meinungen zu Beginn
einholen
Bevor der Entscheidungsprozess
in der Gruppe beginnt, ist es sinnvoll, mehrere anonyme, auf Zetteln
formulierte Einzelmeinungen einzuholen. Damit können die Vereinsmitarbeiter und
Ehrenamtlichen nicht für ihre Kritik zur Verantwortung gezogen werden. Anonyme
Meinungen sind eine solide Ausgangsbasis für eine Diskussion und bieten andererseits
die Chance, Kritik im Vorfeld ohne falsche Scham zu äußern.
Setzen Sie einen Advocatus
Diaboli ein
Ein Advocatus Diaboli, mit
anderen Worten: der „Anwalt des Teufels“, hat die Aufgabe, Kritik und mögliche
Fehler im Gruppenverhalten vorzubringen. Wer die Aufgabe des Advocatus Diaboli
übernimmt, wird vor dem Entscheidungsprozess festgelegt. Der Advocatus Diaboli
bannt somit die Gefahr einer zu schnellen Gruppeneinigkeit und regt die
Gruppenmitglieder zu kritischem Nachdenken an. Es sollte nicht immer dieselbe
Person der Advocatus Diaboli sein.
Informationen zur Person