„Einen Dank an Herrn Windtner für dieses Abschiedsgeschenk“,
hatte Grad in Richtung Power Tower geschimpft, nachdem der Antrag der
OÖ-Ligisten auf Befreiung vom Zwangsaufstieg abgelehnt worden war. Verantworten
muss sich aber der eben auf den Fußball-Landesthron gehobene Prechtl. Für eine
suboptimale Aufstiegsregelung, die bereits vor einigen Jahren getroffen worden
war. Für eine in ihrer Gesamtheit ineffektive Ligenstruktur in Österreich,
deren selbstzerstörerische Wirkung gerade jetzt, zum Zeitpunkt der
Lizenzierungsverfahren, wohl wieder vor Augen geführt wird. Und die wirtschaftlichen
und sportlichen Gegebenheiten in der Ersten Liga und der Regionalliga sind ja
gemäß der Argumentation der OÖ-Ligisten das eigentliche Übel, weshalb der Zwangsaufstieg abgeschafft werden
sollte. Es sei allerdings die Frage erlaubt, wieso die OÖ-Ligisten nicht
bereits vor der Saison mit diesem Wunsch an den Verband herangetreten sind?
Immerhin waren die Anforderungen für den Aufsteiger bereits vorm Saisonauftakt
nicht nur bekannt, sondern auch bis dato unverändert geblieben. Mit dem
Unterschied, dass die ÖFB-Meisterschaftsbestimmungen zu diesem Zeitpunkt eine
Änderung in puncto Aufstiegs noch toleriert hätten.
Willi Prechtl hatte wahrlich keine einfache
Amtseinführungsphase. Seine Ära begann aus seinem Blickwinkel betrachtet zur falschen Zeit – aus jenem von
neutralen Beobachtern dafür am richtigen Ort. Denn der neue OÖFV-Boss stellt
sich den Vorwürfen und Diskussionen, übt sich in Diplomatie und versichert
glaubhaft, sein Ohr den Bedürfnissen der Klubs zu widmen und auch im Dialog die
nötigen Maßnahmen zu setzen. So stellt Prechtl auch in Aussicht, im Namen der
OÖ-Klubs beim ÖFB erneut eine Ligenreform anzudiskutieren. Dabei ist er
freilich auf die Hilfe seines Vorgängers angewiesen. Ein Glück, dass Leo
Windtner selbst diese Maßnahmen im Visier hat und nun darauf mehr Einfluss
nehmen kann wie in seiner Zeit als OÖFV-Boss. Weshalb ich mich schon fragen
musste, wieso dem Stickler-Nachfolger von einer ehemaligen heimischen
Fußballikone vorgeworfen wurde, Windtners Wahl sei eine vergebene Chance gewesen,
im österreichischen Fußball etwas zu bewegen. Begründung: Er habe zwar im
Nachwuchs- und Amateurbereich neue Maßstäbe gesetzt, aber das seien nicht die
primären Probleme, die der Nummer 88 der FIFA-Weltrangliste unter den
Fingernägeln brennen. Eine gesunde Gesamtstruktur ist jedoch die Basis für
langfristigen Erfolg auf der Spitzenebene. Und nicht zuletzt der Aufstand der
OÖ-Ligisten zeigt, dass diese Struktur ein Notfallpatient geworden ist.
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