In der 1. Klasse Süd hat der SV Kieninger-Bau Bad Goisern gegen die SV Gmunden Juniors trotz 2:0-Pausenführung nur ein 2:2-Unentschieden mitgenommen. Trainer Gerald Zwitter nannte das Remis danach einen „sehr glücklichen Punktgewinn“ und sparte nicht mit Selbstkritik. Die Partie lieferte damit ein ungewöhnliches Bild: frühe Tore für die Gastgeber, spielerische Vorteile aber über weite Strecken für die Gäste.

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Auf der Anzeigetafel sah es früh nach einem klaren Abend für Bad Goisern aus. In der 9. Minute traf Justin Engleitner zur Führung, sechs Minuten später legte David Kozak nach einem Eckball das 2:0 nach. Trotzdem wollte Zwitter diese starke Ausbeute gar nicht groß herausstreichen, weil ihm der Weg dorthin deutlich mehr Sorgen machte, als das Ergebnis Hoffnung gab. „Entscheidender Moment war, dass wir bis zur 5. Minute eigentlich 0:2 hinten sein müssen“, sagte der Trainer. Gmunden habe sich in den ersten Minuten „zwei bis drei hundertprozentige Torchancen“ erspielt, während seine Mannschaft - ausgenommen Tormann Nikolaus Ortner „absolut nicht ihr Leistungsniveau abrufen konnte“. So stand zwar ein 2:0 zur Pause, wirklich in der Partie war Bad Goisern nach Sicht des eigenen Trainers aber nie.
Dass die Gäste nach dem Seitenwechsel dranblieben, überraschte Zwitter deshalb überhaupt nicht. Im Gegenteil: Er stellte Gmunden ein sehr gutes Zeugnis aus und betonte, dass die Juniors auch nach dem Rückstand nicht aufgesteckt hätten. In der 77. Minute kam der Gegner durch ein Eigentor von Michael Leimer auf 1:2 heran, und damit wurde die ohnehin wackelige Führung noch einmal deutlich kleiner. Bad Goisern hatte laut seinem Trainer zwar noch „zwei, drei gute Gelegenheiten“, um die Partie vorzeitig zu entscheiden, nutzte diese Chancen aber nicht. Statt Ruhe hereinzubringen, blieb die Partie offen, bis Taiya Ohta in der 89. Minute mit einem sensationellen Freistoß zum 2:2 traf. Aus einem Spiel, das zur Pause ergebnistechnisch klar aussah, wurde so noch ein Abend, an dem Bad Goisern den Vorsprung nicht über die Zeit brachte.
Besonders deutlich wurde Zwitter bei der Frage, was bei seiner Mannschaft funktioniert habe. „Ehrlich gesagt nichts“, sagte der Trainer, und dieses knappe Urteil zog sich durch seine ganze Analyse. Er nannte das Zweikampfverhalten, den Mut mit dem Ball und auch gegen den Ball sowie die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor als zentrale Punkte, die seiner Mannschaft gefehlt hätten. Dazu kam ein weiterer Aspekt, den er ebenso offen ansprach: „Egoismus.“ Damit meinte er, dass Bad Goisern aus seinen Möglichkeiten zu wenig gemacht habe und in den entscheidenden Momenten weder sauber noch konsequent genug war. Gerade weil man trotz schwacher Leistung früh 2:0 vorne lag, wog es aus Sicht des Trainers umso schwerer, dass dieser Vorsprung am Ende nicht reichte.
Bemerkenswert war, dass Zwitter nach dem Abpfiff gar nicht erst nach Ausreden suchte. Diskussionen über Schiedsrichter Ali lehnte er ab, stattdessen richtete er ein klares Lob an den Gegner: „Großes Lob an die SV Gmunden Juniors. Nach den zwei Auftaktniederlagen haben sie eine richtig coole Partie gespielt, auch nach dem 2:0 nicht aufgesteckt, waren spielerisch klar überlegen und haben das Unentschieden verdient erzielt.“ Er ging sogar noch einen Schritt weiter: „Meiner Meinung nach wäre ein Sieg für Gmunden verdient gewesen.“ Für den SV Bad Goisern steht nach drei Runden damit ein Punktestand von vier Zählern zu Buche. Der Trainer hat seiner Mannschaft nach diesem 2:2 jedenfalls genug Themen mitgegeben, an denen sie rasch arbeiten muss.