Fünf Punkte, 19:43 Tore, vorletzter Tabellenplatz – der Herbst des SV Sparkasse Alkoven verlief in der 2. Klasse Mitte wie erwartet schwierig, vielleicht sogar noch einen Tick ernüchternder. Im Laufe der Hinrunde wurde die Zusammenarbeit mit Coach Attila Szili beendet. Nach einer Interimslösung installierte man mit Andreas Blees einen neuen Trainer, der die Herausforderung bewusst annahm – trotz der klaren Ausgangslage.
„Ich habe mir das durch den Kopf gehen lassen und mir dann gedacht: Ich mache es – auch wenn es, wie man sieht, keine leichte Aufgabe ist“, sagt Blees über seinen Entschluss. Der Kontakt zum Verein bestand schon länger, im Herbst gab es erste Gespräche, im Winter übernahm er schließlich offiziell die Verantwortung.
Über den Herbst selbst kann Blees naturgemäß nur aus der Beobachterrolle sprechen. Vier Spiele hat er gesehen, manches sei unglücklich verlaufen. Doch er bleibt realistisch: „Fünf Punkte kommen nicht von ungefähr. Über eine ganze Saison gesehen ist das einfach zu wenig.“ Das Torverhältnis von 19:43 unterstreicht die Problematik. Offensiv war Alkoven nicht komplett harmlos, defensiv hingegen zu anfällig – und insgesamt zu instabil. Blees verweist dabei auch auf strukturelle Rahmenbedingungen: „Im Sommer war keine richtige Vorbereitung möglich, viele waren auf Urlaub oder verhindert. So startest du schon mit einem Handicap.“
Hinzu kommt die aktuelle Trainingsrealität. „Wir haben einige Schichtarbeiter dabei, andere sind unter der Woche beruflich auf Baustellen auswärts. Da ist es schwierig, regelmäßig den ganzen Kader beisammen zu haben.“
Bereits im Herbst war die Personaldecke dünn. Teilweise mussten Spieler aushelfen, „die eigentlich gar nicht mehr geplant hatten, in der Kampfmannschaft zu spielen“. Auch im Winter gab es Abgänge, nicht alle davon waren eingeplant. Gleichzeitig kamen sechs neue Spieler hinzu: Lukas Atzelsberger (Eferding UFC 1b), Gabriel Geaman (Deutschland), Kerim Kilickeser (SK St. Magdalena 1b), Christian Opoku (SPG Neue Heimat Linz/Edelweiss 1b Reserve), Marius Robu (ASKÖ Fußballschule Linz) und Samuel Bisengo (ASKÖ Blaue Elf Linz Reserve). Blees ordnet diese Transfers jedoch realistisch ein: „Das sind großteils junge Burschen, die das erste Mal richtig in den Erwachsenenbereich reinschnuppern. Die haben noch keine längere Erfahrung in einer Kampfmannschaft.“ Für ihn ist das kein Nachteil, sondern ein Baustein für die Zukunft.
Große Ankündigungen vermeidet der Neo-Coach bewusst. „Natürlich ist das Ziel, im Frühjahr mehr Punkte zu holen als im Herbst. Aber man darf keine großen Sprünge erwarten.“ Er spricht offen von einer „Talsohle“, in der sich der Verein befinde. Entscheidend sei nun, strukturiert zu arbeiten: „Wir müssen uns Schritt für Schritt kontinuierlich verbessern.“ Im Fokus steht die Integration und Entwicklung junger Spieler. „Wir wollen die Jungen richtig in den Erwachsenenbereich hineinführen und zu Stammspielern machen.“ Der Blick geht dabei über die aktuelle Saison hinaus. Die U16 verfügt über eine gute Kaderstärke mit rund 20 Spielern – ein Fundament, auf das der Verein künftig aufbauen möchte. „Wenn es gelingt, diese Gruppe zusammenzuhalten, kann sich in den nächsten Jahren etwas entwickeln.“
Seit 22. Jänner befindet sich Alkoven wieder im Training. Zwei- bis dreimal konnte man bisher auf den Platz, der Rest bestand aus Laufeinheiten und Krafttraining in der Halle. Ein Trainingslager ist nicht geplant, ein Trainingswochenende Anfang März angedacht – abhängig von Wetter und personeller Verfügbarkeit. Die Testspiele gegen Puchenau (1:3) und Hartkirchen (1:4) fielen ergebnistechnisch ernüchternd aus, stehen für Blees aber nicht im Vordergrund. Viel wichtiger ist für ihn die Entwicklung der Mannschaft – in einem Umfeld, das Geduld verlangt.
Alkoven spürt man die Herausforderungen kleinerer Gemeinden. „In den letzten Jahren sind einige Eigengewächse zu höherklassigen Vereinen gewechselt. Das tut weh“, sagt Blees. Genau deshalb soll nun wieder stärker auf den eigenen Nachwuchs gesetzt werden. Sein Fazit fällt nüchtern, aber durchaus optimistisch aus: „Wir sind in einer Talsohle. Jetzt geht es darum, eine Mannschaft aufzubauen, die sich stabilisiert – und dann wieder nach oben orientieren kann.“