Jenseits des Atlantiks sammelte die Edel-Technikerin neue fußballerische Eindrücke, dem LIGAPORTAL gab die Neo- "grün-weiße Oberösterreicherin" folgendes Interview:
Ligaportal: Linda, was war ausschlaggebend, dass du nach Engagements bei den Bundesligisten Union Kleinmünchen, SV Neulengbach, First Vienna FC und SK Sturm Graz den Flug über den großen Teich gewagt hast?
Linda Mittermair: „ Ich wollte bewusst einmal etwas Neues ausprobieren, sowohl sportlich als auch persönlich. Die Möglichkeit, in den USA Fußball auf einem hohen Niveau zu spielen und gleichzeitig zu studieren, hat mich sehr gereizt. Ich hatte schon viel Positives über den College-Sport gehört und wollte diese Erfahrung selbst machen, ein neues Land und eine andere Kultur kennenlernen und mich auch abseits des Fußballs weiterentwickeln. Diese Kombination aus Sport und Ausbildung war für mich letztlich ausschlaggebend“.
Wo hast Du gespielt, wie erfolgreich war Dein Team und hast Du sofort Anschluss gefunden?
„Ich habe zwei Saisonen an der University of Virginia in Charlottesville für mein Team, die Virginia Cavaliers, in der NCAA Division I gespielt. Die Universität zählt zu den renommiertesten Adressen im US-College-Sport im Allgemeinen und auch im Frauenfußball. Mit unseren Ergebnissen konnten wir zwar die hohen eigenen Erwartungen nicht ganz erfüllen, trotzdem waren wir sehr erfolgreich. Wir haben uns in beiden Jahren für das NCAA-Turnier qualifiziert, erreichten im zweiten Jahr das Achtelfinale der besten 16 Teams und waren zwischenzeitlich sogar für mehrere Wochen die Nummer eins im NCAA-Ranking, sprich: das beste Team im College-Frauenfußball.
Der Start war natürlich mit einigen Umstellungen verbunden - eine neue Kultur, neue Menschen und ein komplett neues Umfeld. Das Team hat mich aber sehr gut aufgenommen, sodass ich mich nach kurzer Zeit wohlgefühlt und gut eingelebt habe“.
Mit welcher Liga in Österreich lässt sich der College-Fußball vergleichen?
„Das ist schwer pauschal zu vergleichen, weil es im College-Fußball sehr viele unterschiedliche Ligen, Conferences und Leistungsstufen gibt. Die NCAA Division I und speziell die ACC Conference, in der ich gespielt habe, zählen aber definitiv zu den stärksten in den USA. Vom Niveau her würde ich sagen, dass die Top-Teams mit der österreichischen Bundesliga vergleichbar sind, manche Mannschaften sogar darüber einzuordnen sind. Insgesamt ist der College-Fußball aber sehr breit aufgestellt und reicht leistungsmäßig stark auseinander“.
Gegen welche Teams seid ihr angetreten?
„Wir sind gegen Teams aus dem ganzen Land angetreten. Dadurch, dass wir in einer sehr guten Liga in den USA gespielt haben, hatten wir regelmäßig die Möglichkeit, gegen die besten Mannschaften Amerikas zu spielen. Zu den Highlights gehörten sicherlich unsere Auswärtsspiele in Kalifornien gegen UC Berkeley und Stanford sowie die Duelle gegen renommierte Programme wie die University of North Carolina oder die Florida State University“.
Was sind deine schönsten Erinnerungen an diese Phase deiner fußballerischen Laufbahn?
„Meine schönsten Erinnerungen sind sehr vielfältig. Einerseits war es unglaublich, durch den Fußball so viele verschiedene Orte in den USA kennenlernen und bereisen zu dürfen, sei es Kalifornien mit San Francisco und Los Angeles, Miami oder New York.
Andererseits war vor allem die Wertschätzung für den Sport und speziell für den Frauenfußball eine ganz besondere Erfahrung. Wir haben beispielsweise vor mehreren tausend Zuschauern gegen unsere Rivalinnen en von Virginia Tech gespielt und die gesamte Infrastruktur war auf einem Niveau, das ich zuvor so noch nicht erlebt hatte, angefangen von den Trainingsbedingungen über die Plätze bis hin zu den Kabinen. Es wurde einfach gezeigt, welchen Stellenwert Frauenfußball dort hat“.
Hast Du Dich auch als Studentin weiterentwickelt?
„Ja, definitiv. Ich habe während meines Aufenthalts eineinhalb Jahre an der University of Virginia studiert und in dieser Zeit meinen Master of Arts in „Media, Culture and Technology“ abgeschlossen. Das gesamte Studium auf Englisch zu absolvieren, war natürlich eine Herausforderung, hat mich aber sowohl fachlich als auch persönlich sehr weitergebracht“.
Gab es ständigen Kontakt zur Heimat?
„Ja, auf jeden Fall. Ich war eigentlich täglich mit meiner Familie und meinen Freunden in Kontakt – über WhatsApp, FaceTime oder Social Media. Auch wenn ich weit weg von zu Hause war, war dadurch die Verbindung zur Heimat immer da“.
Wie ist es zu Deiner Verletzung gekommen?
„Meine Kreuzbandverletzung ist kurz vor Ende meiner zweiten Saison passiert. Es geschah im Training und war leider ein Rückschlag zu einem Zeitpunkt, an dem die Saison schon fast abgeschlossen war“.
Besteht berechtigte Hoffnung, dass Du bald im grün-weißen Dress auflaufen kannst?
„Auf jeden Fall. Ich arbeite hart an meinem Comeback und bin sehr motiviert, wieder möglichst bald auf dem Platz stehen zu können. Wann genau es so weit sein wird, lässt sich momentan noch nicht sagen, aber ich freue mich schon sehr darauf, endlich für Rapid auflaufen zu dürfen.
Mit Isabell Schneiderbauer und Tabea Aitenbichler stehen noch zwei „Landsfrauen“ aus Oberösterreich mit Dir im Kader. Ist es schön, auch vertraute Gesichter aus der Heimat im Team zu haben?
„Natürlich ist es schön, wenn man bereits vertraute Gesichter im Team hat. Mit Isabell Schneiderbauer habe ich beispielsweise schon beim First Vienna FC zusammengespielt, daher kannten wir uns bereits. Auch durch meine Zeit in der Bundesliga kennt man einige Spielerinnen zumindest aus Begegnungen oder gemeinsamen Zeiten im Fußball. Solche Bekanntschaften erleichtern den Einstieg natürlich, trotzdem wird man in einem neuen Team auch immer von den anderen Spielerinnen gut aufgenommen“.
Wäre eine Heimkehr zu einem Linzer Bundesligisten für Dich keine Option gewesen?
„Für mich hat sich mit Rapid einfach eine sehr gute Möglichkeit ergeben. Ich kannte das Trainerteam und auch einige Spielerinnen bereits aus früheren Begegnungen, was den Einstieg natürlich erleichtert hat. Außerdem habe ich vor meinem Aufenthalt in den USA in Wien studiert und fühle mich dort sehr wohl. Nach meiner Rückkehr war für mich daher auch der Wunsch da, wieder nach Wien zurückzukehren. Bei Rapid haben für mich viele Faktoren zusammengepasst und ich bin sehr glücklich mit dieser Entscheidung.
Was sind deine größten Wünsche für die nahe Zukunft?
„Mein größter persönlicher Wunsch ist es natürlich, wieder vollständig fit zu werden, dass die Reha weiterhin gut verläuft und ich möglichst bald wieder auf dem Platz stehen kann. Ich möchte zu meiner alten Stärke zurückfinden und im besten Fall sogar noch stärker zurückkommen als zuvor.
Für die Mannschaft wünsche ich mir, dass wir einen guten Start in unsere erste Bundesliga-Saison erwischen, schnell als Team zusammenwachsen und uns in der Liga gut etablieren können“.
Herzlichen Dank für Deinen detaillierten Rückblick, für Deine sportliche Zukunft wünsche ich Dir das Allerbeste, vor allem ein glänzendes Comeback!
Helmut Pichler