Eine tolle Laufbahn schaffte die Kapitänin, Torjägerin und Keeperin in ihren 11 Saisonen bei den UFC Lasco Lochen-Frauen; das Ligaportal wollte Näheres über die „Pendlerin“ zwischen der Rückennummer 1 und dem Trikot mit der „8“ erfahren:
Ligaportal: Jacqueline, seit der Meisterschaft 2013/14 bis 2026 warst Du für die „Seemädchen“ (Lochen am See) aktiv, was war Deine Lieblingsposition?
Jacqueline Schorn: „Erstmal vielen Dank für die Einladung zum Interview, ich fühle mich wirklich geehrt! So richtig eine einzige Lieblingsposition zu nennen, fällt mir etwas schwer, ich habe mich schon immer im Zentrum wohlgefühlt, egal ob offensiv oder defensiv. Jede Position hat ihre ganz besonderen Reize. Als Feldspielerin konnte ich das Spielgeschehen aktiver mitgestalten und auch offensiv Akzente setzen und im Tor hat es mir immer besonders gut gefallen, das Spiel zu „lesen“ und der Mannschaft Sicherheit zu geben.
„Insider“ verbinden mit Deinem Namen vor allem Glanzleistungen im Tor, Du hast es aber auch in 273 Spielen auf 108 Tore gebracht?
„Es freut mich natürlich sehr zu hören, dass man mich mit guten Leistungen im Tor verbindet. Das ist eine schöne Anerkennung.
Ursprünglich war ich eben eine Feldspielerin und habe lange Zeit im offensiven Mittelfeld verbracht, bevor ich mehr in die Defensive gewandert bin. Die Tore aus dieser Zeit sind ebenfalls ein schöner Teil meiner Laufbahn und Momente, an die ich mich gerne erinnere".
Hast Du immer den Überblick über Deine tollen Leistungen behalten?
"Ja, da bin ich ziemlich genau, es waren für den USV Köstendorf: 60 Ligaspiele und 2 Cupspiele mit 69 Ligatoren, für den UFC Lochen: 184 Ligaspiele, 19 Cupspiele, 8 Testspiele, 32 Ligatore, 3 Cuptore, 4 Tore in Testspiele, insgesamt 211 Spiele mit 39 Toren".
Eine beeindruckende "Bilanz", wo und wie bist zum Fußball gekommen?
„Ich kann mich tatsächlich nicht mehr daran erinnern, aber laut Erzählungen von meinen Eltern, wurde ich als kleines Kind auf einer Geburtstagsfeier beim Spielen im Garten "gescoutet" (schmunzelt). Seitdem waren der Ball und ich unzertrennlich!"
Erste „Station“ war der USV Köstendorf, war da nicht auch schon Romina Aviles Deine Teamkollegin?
„Ja, stimmt genau, Romy und ich haben uns beim USV Köstendorf kennengelernt und da einige Jahre gemeinsam gespielt. Nachdem sich die Mannschaft dort leider aufgrund von Personalmangel aufgelöst hat, bin ich wieder zu meinen Heimatverein (SC Seeham, bildete damals eine Spielgemeinschaft mit Lochen) zurückgewechselt. Romy und ich sind über die Jahre immer in Verbindung geblieben und dass wir nach all der Zeit wieder im gleichen Verein sind, ist natürlich umso schöner“.
Hattest Du je ein Vorbild im Frauenfußball?
„Ehrlicherweise hatte ich nie ein konkretes Vorbild im Frauenfußball. Da zu meiner Anfangszeit der Frauenfußball noch nicht so präsent war ,wie heute, und es auch kaum Möglichkeiten gab, Spielerinnen zu verfolgen.
Erleichtert die Kenntnis beider Positionen jeweils das „Antizipieren“, das Gespür, weil man weiß, wo der Ball schlussendlich „landen“ soll?
„Diese Frage würde ich definitiv mit „Ja“ beantworten, gerade, wenn man auch abseits vom Tor im Zentrum gespielt hat, und sich in die jeweilige "Gegenposition" hineinversetzen kann, hat man in der ein oder anderen Spielsituation sicher einen Vorteil in Form von Erfahrung, den man für sich nutzen kann“.
Inwieweit spielt das Spielverständnis mit Deinen „Vorderleuten“ eine Rolle für die Torhüterin?
„Ich würde behaupten, eine sehr große Rolle. Als ich dann fix ins Tor gegangen bin, hatte ich das große Glück eine sehr konstante Defensive, die wenig zuließ, vor mir zu haben. Und dadurch, dass wir davor gemeinsam in der Verteidigung gespielt hatten, waren wir ja grundsätzlich schon eingespielt und aufeinander abgestimmt. Vertrauen spielt da eine große Rolle und das war bei uns blind vorhanden. Man kann im Tor noch so gute Reflexe haben, aber ohne eine gute Mannschaft davor, wird es schwierig“.
Die Keeperin hat das gesamte Spiel vor sich, würdest Du aus Deiner eigenen Erfahrung sagen, sie zählt zu den wichtigsten Akteurinnen?
„Wichtig ja, aber nicht wichtiger als andere Positionen. Jeder sieht das Spiel aus einer anderen Perspektive und erst alle Perspektiven gemeinsam machen den Unterschied aus“.
Was waren die „Höhepunkte“ Deiner Karriere, woran erinnerst Du Dich besonders gern?
„Mein erstes persönliches „Highlight“ war sicherlich, dass ich im ersten Jahr der Salzburger Frauenliga, die Torschützenliste anführen konnte. Ein weiterer Meilenstein war mir mit dem USV Köstendorf gegönnt, als wir endlich zum ersten Mal den langjährigen Meister besiegen konnten.
Dann natürlich der lang ersehnte Meistertitel und der erstmalige Aufstieg in die Landesliga - nach so vielen knappen (Corona)Saisonen - mit dem UFC-Lochen. Oder auch die eine oder andere Sensation im Cup, wo wir als unterklassige Mannschaft den Favoriten ärgern oder sogar besiegen konnten.
Aber als „Höhepunkte“ würde ich definitiv die entstandenen Freundschaften im Fußball nennen, früher standen wir uns als Gegner am Platz gegenüber und heute spielen wir im selben Team".
Nach dem Aufstieg in die Landesliga unter Eurem Cheftrainer Markus Empfelseder hat Thomas Pugl-Pichler als Headcoach ein Comeback gefeiert, ist es denkbar, dass Du es ihm bei „Personal-Mangel“ nach Deinem Abschied im heurigen Juni jetzt wieder gleich machst und "aushilfst"?
„Meine aktive Karriere ist definitiv beendet, aber natürlich kann das Team auf mich zählen, wenn „Not an der Frau“ ist.
DANKE für Deine Zeit und Deinen sehr aufschlussreichen „Rückblick“, ich wünsche Dir alles Gute für alle Deine zukünftigen Vorhaben, z.B. die Betreuung Eures neuen MHL-Teams !
Helmut Pichler