Admiral Frauen Bundesliga

AUFTAKT zur deutschen Google Pixel Frauen-Bundesliga: Oberösterreichs Legionärin Claudia WENGER im großen LIGAPORTAL-Interview!

Am Sonntag, 23. August, startet die „Werkself“ auswärts bei RB Leipzig in die Saison 2026/27; das „Ligaportal“ bat die ÖFB- Innenverteidigerin aus Kleinraming um ihre Einschätzung vor ihrer 2. Saison in der deutschen Top-Liga:

Ligaportal: Claudia, in Ihrem 1. Bundesliga-Jahr haben Sie mit Bayer 04 Leverkusen auf Rang 6 abgeschlossen, wie weit sollte es in der neuen Saison gehen?

Claudia Wenger: „Ich denke, dass wir mit dem klaren Ziel, in die Top 3 zu kommen, in die neue Saison starten. Unser Kader wurde noch einmal verstärkt und ich finde, wir haben viel Qualität und Potenzial in der Mannschaft. Dennoch müssen wir schauen, wie wir das auf den Platz bringen und wie konstant wir über die Saison hinweg sein können.“

Sie haben im vergangenen Herbst den Sprung von der ADMIRAL- Frauen-Bundesliga in die deutsche Top-Liga auf „Anhieb“ geschafft, wie 21 Einsätze beweisen (+1 Tor!), wie groß ist der Niveau-Unterschied zwischen Österreich und Deutschland?

„Ja, es ist für mich sehr gut gelaufen, dafür war ich sehr dankbar. Im Vorhinein ist es natürlich immer schwer einzuschätzen, wie gut man sich auf diesem Niveau behaupten kann. Ich finde den Niveau-Unterschied leider noch sehr groß. In Deutschland liegen die Mannschaften meiner Meinung nach deutlich enger beieinander, da hat man immer das Gefühl, dass jeder jeden schlagen kann.“

Lassen Sie mich ein wenig an Ihrer Fußball- „Routine“ teilhaben: wie oft wird bei Ihnen wöchentlich trainiert, wie verläuft Ihr „Arbeitstag“?

„Die Trainingswochen sind immer etwas unterschiedlich, da unsere Spieltage zwischen Freitag und Montag liegen können. An einem normalen Trainingstag starte ich gegen 9 Uhr mit meiner Pre-Aktivierung, bevor es um 9:50 Uhr auf den Platz geht. Je nach Trainingsinhalt wird circa eineinhalb Stunden trainiert und danach geht es dann nochmal in die Kraftkammer zum Nachbereiten und

Regenerieren. Pro Woche stehen circa sechs Trainingseinheiten auf dem Programm, darunter ist eine Yoga-Einheit.“

Wurden Sie 2025/26 durch eine zwischenzeitliche Verletzung zu einer „Zwangspause“ genötigt?

„Ich hatte zwischendurch Probleme mit dem Knie, das Seitenband war etwas gereizt und auch muskulär gab es kleinere Beschwerden, aber jetzt bin ich wieder voll fit und freu mich auf die neue Saison.“

Sie haben in Österreich bei den damaligen Seriensiegerinnen des SKN St. Pölten gespielt und sind jetzt für ein Spitzenteam der höchsten deutschen Frauenliga aktiv: wo liegt der Unterschied?

„Ich denke, der größte Unterschied liegt im Spieltempo. Man muss schneller Entscheidungen treffen, daran musste ich mich anfangs erst einmal gewöhnen. Bei Bayer 04 wird insgesamt noch einmal deutlich professioneller gearbeitet und die Bedingungen sind einfach besser. Gleichzeitig muss ich aber auch sagen, dass sich auch in St. Pölten in diesem Bereich schon sehr viel weiterentwickelt hat und es in die richtige Richtung geht.“

 

In der 1. deutschen Frauen-Bundesliga sind 2026/27 gleich 27 Österreicherinnen in den Kadern, besteht „reger“ Kontakt zwischen Ihnen oder ist jede „Fremdarbeiterin“ in ihrem Team vollauf beschäftigt?

„Ich habe mit einigen Spielerinnen sehr regelmäßig Kontakt und freue mich natürlich immer, wenn man am Wochenende auf die ein oder andere Österreicherin trifft.”

 

Gehen Sie dann in die Zweikämpfe mit der Österreicherin mit weniger Risiko-Bereitschaft?

„Ich denke, niemand geht mit der Absicht in einen Zweikampf, eine andere Spielerin zu verletzten. Für mich macht es daher keinen Unterschied, gegen wen ich meine Zweikämpfe führe. Ich gehe jede Situation genauso an wie sonst auch.“

Im Kader von Bayer 04 Leverkusen finden sich aktuell 11 Nationen, wie klappt die Verständigung sprachlich im Training, in der Kabine, im Spiel..?

„In dieser Saison sind bei uns auf jeden Fall noch mehr Nationen vertreten als letztes Jahr. Deswegen läuft im Training vieles auch auf Englisch ab oder wird

entsprechend übersetzt. Aktuell haben wir nur eine Spielerin, die weder Deutsch noch Englisch spricht, das wird sich aber sicher bald ändern.“

Der Konkurrenzkampf in einem Bundesliga-Kader ist sicher groß, bilden sich trotzdem so etwas wie „Freundschaften“ zwischen einzelnen Spielerinnen?

„Ja, es entstehen auf jeden Fall einige Freundschaften. Vor allem muss man bedenken, wie viel Zeit wir alle miteinander verbringen. Ich würde generell sagen, dass wir ein sehr harmonisches Team sind. Natürlich beginnt jetzt der Konkurrenzkampf zum Start in die neue Saison so richtig, aber da liegt es dann an jeder Einzelnen, damit umgehen zu können und ihre Rolle so gut wie möglich zu akzeptieren.“

Führt der Weg zum Meistertitel auch in der neuen Meisterschaft wieder nur über Bayern München?

„Ja, für mich sind sie als Double-Siegerinnen wieder klarer Favorit, sie haben einfach unglaubliche Qualität und ein sehr gutes Team.“

Im Vorjahr haben Sie mit Ihrem Team den Gastgeberinnen in München trotz des 0:2 alles abverlangt, mit welcher Einstellung gehen Sie in ein derartiges Duell?

„Leider konnten wir uns damals nicht belohnen, obwohl wir im Eröffnungsspiel wirklich ein sehr gutes Spiel gemacht haben. Man geht in jedes Spiel, um zu gewinnen oder zumindest Punkte mit nach Hause zu nehmen. Nichts ist unmöglich, wie auch Punktgewinne von „Underdogs“ beweisen.“

In der 1. Runde treffen Sie am kommenden Sonntag auf Ihre Landsfrau aus Oberösterreich, Annabel Schasching, auch eine ÖFB- Teamkollegin?

„Da gilt das Vorhin gesagte: Freude, weil man auf eine Österreicherin trifft, aber natürlich will jede Spielerin mit ihrem Team wichtige Punkte holen.“

Mit der ÖFB- Auswahl sind Sie beide noch im Rennen um die WM- Qualifikation, welcher „Traum“ ist stärker: WM- Teilnahme oder Champions-League mit Bayer 04 Leverkusen?

„Auf den ersten Blick würde ich sagen: die WM-Teilnahme, weil ich mit dem A- Team noch bei keinem Groß-Ereignis war, und weil sich Österreich generell noch nie für eine WM qualifiziert hat. Aber der Verein ist mir sehr wichtig und ich möchte es unbedingt mit Leverkusen in die Top 3 schaffen.“

Wie sehen Sie die Chancen für ein „Brasilien-Ticket“ zur WM 2027?

„Gegen den Kosovo sollte wir einen „Pflicht-Erfolg“ feiern können. Sollte die Schweiz unser nächster Gegner sein, stehen die Chancen 50:50. Ich hoffe natürlich, dass einige wichtige Spielerinnen wieder zurückkehren und wir gestärkt in diese Duelle gehen können.“

Wie wichtig war Ihr Engagement beim SKN St. Pölten für Ihre weitere Karriere?

„Sehr wichtig, damals war das genau der richtige Schritt für mich. Ich bekam große Unterstützung während meiner langen Verletzungspause und durch unsere Teilnahmen an der Gruppenphase der Champions League konnte ich viel Erfahrung auf sehr hohem Niveau sammeln.

Haben Sie während der Saison Kontakt mit Ihrer Familie in Oberösterreich?

„Ich bin ein absoluter Familienmensch und bin natürlich im ständigen Kontakt mit meiner Familie. Sie waren auch schon öfter in Leverkusen auf Besuch. Ich nutze auch gern die Zeit rund um die Nationalteam-Lehrgänge, um kurz in meiner Heimat und bei meiner Familie zu sein. Spiele in München oder Nürnberg oder Städten in der Nähe erleichtern uns auch ein Wiedersehen.“

Ihr größter persönlicher Wunsch für die sportliche Zukunft?

„Das Wichtigste für mich ist es, fit zu bleiben und ohne Verletzung durch das Jahr zu kommen. Natürlich möchte ich eine gute Saison spielen und im besten Fall die beiden vorhin genannten Zielen erreichen.“

Für die Möglichkeit des Interviews mit Ihnen möchte ich mich ganz herzlich bedanken und wünsche Ihnen Alles Gute für Ihre weitere Karriere!

Helmut Pichler