seit dem Debakel gegen Sierning am vergangenen Wochenende ist klar: Grün-Weiß Micheldorf kämpft gegen den Abstieg. In der vergangenen Saison noch im gesicherten Mittelfeld, liegt man derzeit nur einen mickrigen Punkt vor dem letzten Tabellenplatz. Geht man nur nach den Namen, dürfte Micheldorf nicht so weit unten stehen. Wie konnte der sportliche Niedergang also passieren? ooeliga.at kennt drei Gründe – und analysiert mit Trainer Albert Kabashi die schwierige Situation.
Der fehlende Teamgeist:
Gibt es in Micheldorf zu viele Spieler mit Söldner-Mentalität? Die
Klagen im Vereins-Umfeld sind jedenfalls unüberhörbar. In der
Mannschaft soll es überhaupt nicht stimmen, Gruppenbildung stehe an der
Tagesordnung. „Das gibt es in jeder Mannschaft. Beim Kicken muss sich
nicht jeder mit jedem verstehen“, verteidigt sich Albert Kabashi. Der
Trainer sieht die Unstimmigkeiten vor allem im mangelnden Erfolg
begründet. „Auch in Weißkirchen gab es große Aufregung. Jetzt haben sie
wieder gewonnen und keiner spricht mehr darüber.“
Überhaupt will sich Kabashi von außen keine Unruhe in die Mannschaft
reden lassen. „Wenn die Ergebnisse nicht stimmen, gibt es immer viel
Blabla. Unseren Kritikern kann ich aber sagen: Wir lassen uns nicht aus
der Ruhe bringen!“
Das Verletzungspech:
Laut Kabashi der Hauptgrund für die aktuelle Misere. „Gegen Sierning
fielen uns mit Goalie Bernd Schrattenecker und Almir Memic zwei ganz
wichtige Spieler aus. Dazu kommen noch einige Langzeitverletzte, die in der Hinrunde nicht mehr spielen können.“ (Anm.: Sinisa Markovic - Zehenbruch, Szabolcs Kütsön - Nasenbeinbruch und Stefan Gotthartsleitner - Berufsschule)
Tatsächlich schlägt in Micheldorf das Verletzungspech grausam zu. „Ich
kann froh sein, wenn ich zehn fitte Spieler im Training habe“, sagt
Kabashi. „Der Masseur stellt bei uns im Moment die Mannschaft auf.“
Die Transferpolitik:
„Sicher sind wir nicht ganz zufrieden“, gibt Kabashi unumwunden zu,
dass die Transfers im Sommer nicht den gewünschten Erfolg gebracht
haben. „Von dem einen oder anderen hätten wir mehr erwartet.“ Dazu habe
er „drei wichtige Mittelfeldspieler abgeben müssen, die wir bislang
nicht hundertprozentig ersetzen konnten.“ Vor allem im Offensivbereich
sieht der Micheldorf-Trainer daher noch Handlungsbedarf. „Nach der
Hinrunde werden wir uns zusammensetzen und analysieren. Ich wünsche mir
noch einen Mittelfeldspieler und einen Stürmer.“
Doch der Turnaround muss jetzt geschafft werden! Am kommenden
Wochenende gegen Bad Schallerbach und in zwei Wochen in Weißkirchen
stehen zwei richtungsweisende Spiele für Micheldorf an. Werden beide
verloren, bedeutet das wohl den Absturz auf den letzten Platz.
Kabashi lässt sich aber auch davon nicht aus der Ruhe bringen. „Die Liga ist sehr ausgeglichen. Solange diese fünf oder sechs Mannschaften, die jetzt mit uns da unten stehen, nicht weit auseinander sind, ist das kein Beinbruch. Natürlich wollen wir diese beiden Spiele gewinnen. Aber im Moment haben wir einfach die Qualität nicht. Ich muss hoffen, dass einige Spieler rechtzeitig gesund werden. Ich bin sicher: Spätestens im Frühjahr werden wir in der Tabelle wieder nach oben klettern!“
von Gernot Hörwertner
Foto Slide: LUI