Irgendwie können sie einem leid tun. Denn selbst nach dem Sieg über St. Andrä im direkten Duell um den begehrten Startplatz für die Relegation scheinen die Kärntner für Blau-Weiß Linz in der Tabelle schon außer Reichweite zu sein. Womit das Vorhaben Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse wohl um ein Jahr verschoben werden muss. Wieder einmal! Was so manchem Nicht-Sympathisanten von Knabel und Konsorten sogar ein Lächeln der verschmitzten Schadenfreude ins Gesicht zaubert. Während andere nüchtern von einem verpassten Ziel sprechen. Falschen Hoffnungen, die man sich selbst vorgegaukelt hat. Zu vielen Fehlern, die passiert sind. Vom Lizenz-Dilemma jetzt einmal ganz zu schweigen. Und dennoch: Ich werde mich davor hüten, Blau-Weiß wegen des verpassten Zieles in der aktuellen Regionalliga-Saison zu kritisieren.
Im Gegenteil – ich danke für die Brust, mit der sie Spiel um Spiel auf
den Platz gegangen sind. Für den Brustton der Überzeugung, mit dem sie
ihre Ambitionen hinausposaunt haben. Für diesen so einfachen Satz, der
so vielen anderen so schwer über die Lippen kommt: Ja, wir wollen den
Aufstieg! Was vor allem Trainer Kensy stets betont hat. Und sich und
sein Team damit wissentlich automatisch angreifbar gemacht hat. Eine
ganze Saison lang. Weil die Linzer ständig an ihrem selbstauferlegten
Ziel gemessen wurden und werden. Das ihnen nach jedem Punkteverlust von
Fans, Medien, Gegnern und vielen anderen um die Ohren geworfen wird.
Dabei ist das endlich einmal eine klare Ansage. Kein Tiefstapeln. Kein
Herumdrücken. Klipp und klar war die Botschaft. Die immer unverändert
blieb. Auch nach Niederlagen. Nach schier aussichtslosen Rückständen in
der Tabelle. Wie es auch jetzt eigentlich wieder der Fall ist.
Und dennoch wird der Pole erst dann von seiner Zielformulierung
abkommen, wenn der letzte Funke einer theoretischen Chance erloschen
ist. Diese Einstellung gefällt mir. Das Bekenntnis zu einem Ziel. Was im
Sport doch der Ur-Antrieb an sich sein sollte. Dennoch gibt es genug
Teams, die sich jahrelang mit dem Mitschwimmen im Niemandsland zufrieden
geben. Andere, die beispielsweise trotz Titelambitionen lieber einen
Top-5-Platz als Ziel nennen, um eben nicht festgenagelt werden zu
können. Um ein Ventil für den öffentlichen Druck zu haben. Blau-Weiß hat
sich letzteren freiwillig auferlegt. Was man in Anbetracht des eigenen
Potentials und dem der Konkurrenz – vor allem jener aus dem
unmittelbaren Einzugsgebiet der Stahlstadt – nicht hätte tun müssen.
Dafür Kompliment. Für ein einziges Faktum aber auch Kritik: Blau-Weiß
nimmt schon so lange das Wort Aufstieg in den Mund wie Herbert Prohaska
seinen Gute-Nacht-Gruß an der Seite von Reinhard Pariasek. Geschafft
haben sie ihn aber nur 2008 von der OÖ-Liga zurück in die Regionalliga.
Einzig dieser Umstand sollte wirklich zu denken geben.
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