„Ein Dorfklub, dessen Gemeinde davon lebt, Zeltfeste zu veranstalten, ist nicht meins!" Mit diesen Worten sagt Franz Grad, langjähriger Präsident, Mäzen und Gönner des FC Superfund Pasching in diesen Tagen „Servus“. Ungewohnt ruhig war es in diesem von Krisen geprägten Spieljahr 2010/2011 des FC Superfund Pasching. Der sonst so forsche, sich seit einem Jahr im Hintergrund haltende Präsident Grad ließ seinen Nachfolger Nussbaumer walten, ohne selbst in das Geschehen einzugreifen – sein größter Fehler, wie er heute bekennt. ooeliga.at unterhielt sich mit Franz Grad, (Ex-)Coach Fuad Djulic und Präsident Helmut Nussbaumer.
Vorhersehbares Ende?
Seit gestern ist der Verein FC Superfund Pasching, wie er in den letzten
Jahrzehnten Bekanntschaft errang, Geschichte. Ein Ende, das sich
bereits nach einem Gespräch zwischen Grad und der Gemeinde Pasching im
März 2007 abgezeichnet hat, ist seit gestern endgültig Gewissheit. Doch
eigentlich wollte der Mäzen noch einen versöhnlichen Abschied erzielen
und installierte Mitstreiter aus Paschings erfolgsreichster
Fußballzeit: Max Eisenköck sollte den wirtschaftlichen, Georg Zellhofer
den sportlichen „Ist-Stand“ des Vereins eruieren. Was folgte war ein
Konzept, welches Franz Grad abermals zeigte, dass es für Pasching, so
wie es sich in den letzten Jahren auf Österreichs-Fußballbühne
präsentierte, keine Zukunft mehr gibt.
Der neue Weg
Geführt von Präsident Helmut Nussbaumer wird aus dem „Dorfklub
Pasching“, der unglaubliche Erfolge sowohl auf nationaler, als auch
internationaler Ebene verzeichnen konnte und in den letzten Jahren das
Fußball-Unterhaus Oberösterreichs dominierte, ab sofort ein
Ausbildungsverein für junge Talente.
(Ex-)Coach Fuad Djulic verabschiedete sich nach dem gestrigen Training
von einer Mannschaft, die seit heute nicht mehr existiert. Der Neo-Coach
Erwin Spiegel, der bereits im Frühjahr die 1b-Mannschaft in der
Bezirksliga Ost trainierte, übernimmt das Trainerzepter und leitete heute
sein erstes Training. Ihm steht eine junge, aus Spielern von der
Fußballakademie Linz und von Paschings 1b-Mannschaft geformte Mannschaft
zur Verfügung, deren Mission in der kommenden Saison der Klassenerhalt
ist. Mit diesem Schritt verabschieden sich naturgemäß auch klingende
Namen wie Mimm, Schriebl, Gansterer, Orosz und
Nachwuchs-Nationaltorhüter Petermann, der zum FC Parndorf wechselt, aus
dem Linzer Vorort.
Franz Grad (Ex-Präsident FC Superfund Pasching): „In den letzten Wochen ist nichts Außergewöhnliches geschehen. Ich
wollte für den Verein Pasching einen ordentlichen Abschluss der
15-jährigen Zusammenarbeit finden und habe dies in die Hand genommen, da
Herr Nussbaumer nicht sehr viel Zeit hat. Eisenköck und Zellhofer haben
mir am Montag in einem Gespräch von Paschings derzeitiger Situation
berichtet und somit ist für uns drei (Anm.: Grad, Zellhofer und
Eisenköck) das Kapitel Pasching endgültig beendet. Schließlich bleibt nur noch die Aufgabe, unsere Sachen in Pasching
abzuholen, damit Herr Nussbaumer genügend Platz hat, sich mit seinem
neuen Konzept zu entfalten. Für mich ist Pasching erledigt und ich werde den Verein in Zukunft weder
finanziell, noch beratend unterstützen. Herr Nussbaumer braucht mich
auch nicht nach Rat fragen, denn hätte er das getan, wäre das letzte
Jahr nicht so verlaufen. Wenn ich mir das anschaue, wie da gespielt
wurde, kann ich nur sagen, dass es mein größter Fehler war, zu zahlen,
ja sogar, sehr viel zu zahlen, ohne mich einzumischen.“
Helmut Nussbaumer (Präsident FC Superfund Pasching)
„An meinen Aufgaben hat sich auch in den letzten Tagen nicht viel
geändert. Die Regionalliga ist eine Amateurliga und wir wollen dieser
Anforderung mit einer Mannschaft, zusammengestellt aus Akademie- und
Nachwuchsspielern, gerecht werden. Grad, Zellhofer und Eisenköck stehen für Paschings Erfolg. Ihr Ziel war
es, ein Konzept zu entwerfen, mit dem man in Pasching nochmals
durchstarten kann. Aufgrund der fehlenden Unterstützung der öffentlichen
Hand (Land und Gemeinde) kam es dann zum endgültigen Rückzug durch
Grad. Erwin Spiegel ist unser neuer Trainer und seine primäre Aufgabe ist es,
eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen, durch welche junge
Spieler an den Erwachsenenfußball herangeführt und ausgebildet werden
sollen. Trotzdem werde ich Franz Grad auch weiterhin immer anrufen, wenn ich einen Rat in Sachen Fußball in Pasching brauche.“
Fuad Djulic (langjähriger Co-Trainer und Trainer in Pasching)
„Franz Grad hatte schon seit einiger Zeit sprichwörtlich die Schnauze
voll. Sowohl die Gesamtsituation im Verein, vor allem aber die fehlende
Unterstützung in der Gemeinde seit dem Abgang von Bürgermeister Böhm
führten zu dieser Problematik. Trotzdem wollte Grad noch einmal etwas
bewegen und installierte deshalb Georg Zellhofer und Max Eisenköck. Als
diese ihm deren Konzept präsentierten, war für Grad endgültig Schluss.
Zellhofer kam am Dienstag zu mir in die Kabine und sagte, dass es in
Pasching keinen Franz Grad mehr geben wird. Gestern war auch noch Nussbaumer in der Kabine, teilte nach dem letzten
Training unter meiner Leitung der Mannschaft das Konzept des neuen
Vereins mit und verabschiedete sich somit von der bestehenden
Mannschaft. Ich war zweimal in Pasching, es waren wunderschöne Zeiten, sowohl in der Bundesliga, als auch im Amateurfussball. Für die Zukunft ist nicht zu erwarten, dass Pasching eine gute
Mannschaft stellt, ich gehe davon aus, dass sie in dieser Konstellation
im kommenden Jahr absteigen werden.“
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