Am 30. und letzten Spieltag der Regionalliga Mitte feierte die Union Raiffeisen Gurten einen knappen, aber verdienten 1:0-Heimsieg gegen den SC Weiz. In einer Partie, die lange Zeit von den taktischen Vorgaben der Trainer geprägt war, avancierte Fabian Wimmleitner im zweiten Durchgang zum umjubelten Matchwinner. Während die Innviertler mit diesem Dreier eine ohnehin sensationelle Saison mit dem Vizemeistertitel krönen, platzten auf der Gegenseite die letzten Träume der Steirer vom Einzug in den ÖFB-Cup – auch, weil man auch in der Aufstellung nicht aus dem vollen schöpfen konnte.

Die Zuschauer im Gurtner Stadion rieben sich bereits vor dem Anpfiff verwundert die Augen. Im alles entscheidenden Spiel um den ÖFB-Cup-Platz präsentierte Weiz-Trainer Marko Krajcer eine Startformation, die – ebenso wie die Ersatzbank – radikal mit jungen, unerfahrenen Spielern gespickt war. Angesichts der Tabellensituation ein extrem gewagtes Experiment, das im Nachgang durchaus kritisch hinterfragt werden muss. Mit einer erfahreneren Truppe wäre gegen ein vor der Pause lethargisches Gurten an diesem Abend wohl deutlich mehr möglich gewesen, als ein bloßes Verwalten des Schadens. Weiz hätte es sicher lieber anders gehabt - aber vier verletzte Spieler, drei gesperrte und einen erkrankten Akteur zu kompensieren - das schafft wohl niemand in dieser Liga.
Zwar standen die Weizer Youngsters defensiv zunächst kompakt, ließen im Spiel nach vorne aber jegliche Durchschlagskraft vermissen. Da Gurten im ersten Durchgang ebenfalls im Schongang agierte, blieben echte Torraumszenen absolute Mangelware. Folgerichtig ging es nach einer faden ersten Halbzeit mit einem torlosen Remis in die Kabinen. Gurtens Trainer Peter Madritsch hatte genug gesehen, reagierte zur Pause radikal und brachte mit einem Vierfachwechsel die nötige Routine für die Offensive.
Die personellen Umstellungen aufseiten der Hausherren zeigten sofort Wirkung und machten den Qualitätsunterschied zur Weizer Jugend-Elf deutlich. Die Innviertler kamen mit spürbar mehr Schwung aus der Kabine, erhöhten das Tempo und dominierten das Spielgeschehen fortan fast nach Belieben. In der 58. Spielminute folgte die Quittung für die Passivität der Gäste: Nach einem präzise getretenen Eckball von der linken Seite stieg Fabian Wimmleitner im Strafraum am höchsten und wuchtete das Leder aus elf Metern per Kopf unhaltbar zum 1:0 in die Maschen.
Der Gegentreffer zog den Steirern endgültig den Zahn. Dem jungen Kollektiv fehlte in der Folge die spielerische Reife, um den Hebel noch einmal umzulegen und die sattelfeste Gurtner Defensive ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Da die Schützenhilfe auf den anderen Plätzen passte – der Konkurrent aus Lafnitz verlor zeitgleich –, schmerzt diese Niederlage umso mehr: Mit der vermeintlichen Bestbesetzung wäre das Ticket für den ÖFB-Cup in greifbarer Nähe gewesen. Am Ende schaukelte die Madritsch-Elf den knappen Vorsprung routiniert über die dreiminütige Nachspielzeit.
Mit diesem hart erarbeiteten Heimerfolg schraubt die Union Gurten ihr Punktekonto auf beachtliche 64 Zähler hoch und feiert einen hochverdienten Vizemeistertitel hinter Meister Voitsberg. Der SC Weiz beendet die Spielzeit mit 39 Punkten auf dem zehnten Tabellenplatz und verabschiedet sich mit viel Diskussionsstoff in die wohlverdiente Sommerpause.
Sebastian Dietrich (Sportchef Union Gurten):
„Die erste Halbzeit war von beiden Mannschaften keine gute. Beide Teams haben es schlichtweg nicht geschafft, zwingende Torraumszenen zu kreieren, und somit ging es folgerichtig mit dem 0:0 in die Pause. In der zweiten Halbzeit kamen wir dann aber deutlich besser aus der Kabine und haben das Spiel bis zum Schlusspfiff dominiert.
Ich möchte der Mannschaft und dem gesamten Trainerteam an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich zu dieser überragenden Saison gratulieren. Was sie alle zusammen heuer wieder geleistet haben, ist schlichtweg sensationell. Mit so einer tollen Truppe inklusive dem Betreuerstab ist es einfach jeden Tag eine absolute Freude, arbeiten zu dürfen.“
Martin Halper, (Vorstandsvorsitzender Weiz):
"Trotz der vielen Verletzten und gesperrten Spieler wollten wir heute die minimalchance auf den ÖFB Cup wahren. Die Ausgangssituation war mit 12 Ausfällen nicht leicht. Mit drei Startelfdebütanten mit 16,17 und 18 Jahren sowie drei weiteren Spielern, welche ihr Debüt in der Regionalliga feiern durften, hielten wir gegen die Qualität von Gurten gut mit. Die jungen Spieler haben ihre Aufgabe sensationell gemacht und bewiesen ihr Potential gegen den Viezemeister. Die ganze Mannschaft hat 90 Minuten gefightet und ist ans Limit gegangen.
Der verpasste ÖFB Cup Platz tut weh, aber das war nicht das Resultat des letzten Spiels, sondern von einer Saion, in der phasenweise Spiele knapp oder unglücklich gegen uns gelaufen sind."
Union Raiffeisen Gurten: Elias Jagereder – Florian Schütz (HZ. Niklas Sickinger), Simon Schnaitter (72. Thomas Reiter), Xaver Bernauer (HZ. Thomas Burghuber), Felix Ratzinger – Tobias Hofbauer, Tobias Schott, Dominic Bauer (HZ. Jakob Kreuzer), Felix Sickinger, Jakob Horner (HZ. Felix Seiwald) – Fabian Wimmleitner. Trainer: Peter Madritsch
SC Weiz: Luis Reicher – Matin Mohammadi (HZ. Ismael Bignumba Bi Mussavu), Peter Kozissnik, Markus Stenzel, Christoph Mikula (HZ. Timo Schloffer) – Tine Pori, David Feest, Timo Wagner, Sebastian Gabbichler (66. Tim Ulreich) – Bill Hofer (79. Shtendil Ahmeti), Jonas Sander. Trainer: Marko Krajcer
Schiedsrichter & Assistenten: Jürgen Hartenberger, Holger Dietz, Nenad Stakic
von: ReD
Foto: RIPU-Sportfotos