Freitagabend, kurz nach den Niederlagen des Kremser SC und des SV Leobendorf, war es endgültig Gewissheit: Der SV Gloggnitz ist Meister der Regionalliga Ost. Was vor wenigen Monaten noch wie eine schöne Momentaufnahme wirkte, wurde nun Realität – und sorgte in der Alpenstadt für pure Emotionen. Denn die Geschichte hinter diesem Titel grenzt beinahe an ein Fußballmärchen. Noch in der vergangenen Saison rettete sich Gloggnitz in letzter Minute vor dem Abstieg. Nun steht derselbe Verein sensationell an der Spitze der Regionalliga Ost. „Die Gefühlslage ist unglaublich. Wenn man bedenkt, wo wir vor einem Jahr gestanden sind, kann man das eigentlich kaum in Worte fassen“, erklärte Meistertrainer Edi Stössl nach dem fixierten Titelgewinn.

Dabei war die Ausgangslage vor Saisonbeginn alles andere als spektakulär. In Gloggnitz dachte niemand an einen Titelkampf. Vielmehr wollte man möglichst früh nichts mit dem Abstieg zu tun haben und im Idealfall einen Platz im gesicherten Tabellenmittelfeld erreichen.
„Unser Ziel war ursprünglich ganz klar: eine ruhige Saison spielen und möglichst früh den Klassenerhalt absichern. Vielleicht ein einstelliger Tabellenplatz, wenn alles optimal läuft“, schilderte Stössl.Doch die Niederösterreicher entwickelten sich Woche für Woche zu einer der konstantesten Mannschaften der Liga. Zur Winterpause lag Gloggnitz plötzlich auf Rang zwei – und musste die eigenen Ambitionen erstmals korrigieren. „Da haben wir natürlich gemerkt, dass mehr möglich ist. Ab diesem Zeitpunkt war ein ÖFB-Cup-Platz das große Ziel“, so der Erfolgscoach.
Dass am Ende sogar der Meistertitel herausspringen würde, schien selbst im Frühjahr noch kaum realistisch. Nach nur einem Spiel im neuen Jahr betrug der Rückstand auf Herbstmeister Leobendorf bereits zwölf Punkte. Viele hatten den Titelkampf zu diesem Zeitpunkt praktisch entschieden. Doch Gloggnitz blieb ruhig, arbeitete unbeirrt weiter und profitierte gleichzeitig davon, dass die Konkurrenz immer wieder Punkte liegen ließ.
„Wir haben nie aufgehört daran zu glauben. Auch bei zwölf Punkten Rückstand war intern klar, dass noch sehr viel möglich ist, wenn wir konstant bleiben“, sagte Stössl.
Mit der sportlichen Erfolgsserie kam allerdings auch eine Frage auf, die im Verein lange diskutiert wurde. Aufgrund der Regelung des Niederösterreichischen Fußballverbandes hätte ein Meister, der nicht aufsteigen kann oder will, gleichzeitig den ÖFB-Cup-Startplatz verloren – finanziell ein enorm wichtiger Faktor. „Natürlich war das keine einfache Entscheidung. Der Cup wäre wirtschaftlich extrem wichtig gewesen“, gab Stössl offen zu. Am Ende fiel die Entscheidung aber bewusst zugunsten des großen sportlichen Traums aus.