Mit dem Ende der vergangenen Saison ging beim SC Wiener Viktoria eine Ära zu Ende. Nach 15 Jahren verabschiedete sich Toni Polster als Cheftrainer des Regionalligisten. Sein Nachfolger stand schnell fest: Dozhghar Kadir übernahm das Traineramt und kehrte damit in eine Funktion zurück, die ihm bestens vertraut ist. Der 39-Jährige sammelte in der vergangenen Saison als Co-Trainer unter Polster wertvolle Erfahrungen, nachdem er sich zuvor bereits als Cheftrainer des FavAC einen Namen gemacht hatte und den Traditionsverein in die Regionalliga Ost geführt hatte. Bei der "Viktoria" warten aber einmal mehr große Herausforderungen.

Für Viktoria-Neotrainer Dozhghar Kadir wartet eine große Herausforderung. Über seinen ehemaligen "Chef" verliert er nur positive Worte.
Auch wenn Kadir künftig selbst die Verantwortung trägt, spricht er mit großer Wertschätzung über seinen ehemaligen Chef.
„Bevor man über Toni als Trainer redet, muss man über ihn als Menschen reden. Er ist einer der wenigen Menschen in Österreich, von denen wirklich jeder weiß, wer er ist und was er für den österreichischen Fußball geleistet hat. Wenn er den Platz betritt, ist von Anfang an eine riesige Portion Respekt vor dem Menschen Toni Polster da.“
Besonders imponiert habe ihm dessen Bodenständigkeit.
„Er ist ein wahnsinnig lustiger und unglaublich geerdeter Mensch, der wirklich jedem Aufmerksamkeit schenkt. Es ist beeindruckend, dass er nach seiner außergewöhnlichen Karriere so viel Zeit und Herzblut in die Wiener Viktoria investiert hat. Das war für alle, die mit ihm gearbeitet haben, eine enorme Motivation.“
"Ich habe bereits schwierige Aufgaben gemeistert und freue mich auf diese Herausforderung. Es hat sich in der Mannschaft einiges verändert."
Obwohl Kadir nur eine Saison an Polsters Seite arbeitete, war die Zusammenarbeit intensiv.
„Wir haben in diesem Jahr sehr eng zusammengearbeitet und viele Entscheidungen gemeinsam getroffen. Deshalb fällt es mir leicht, an unsere Arbeit anzuknüpfen. Aber ich werde sicher noch oft auf die Bank neben mir schauen und unseren Trainer suchen. Ich glaube, ich spreche für uns alle, wenn ich sage: Wir werden Toni am Platz sehr vermissen.“

Mit seiner Erfahrung als Cheftrainer geht Kadir die neue Herausforderung voller Tatendrang an. Gleichzeitig weiß er, dass die Wiener Viktoria nach einem bewegten Transfersommer Geduld benötigen wird.
Mit Emanuel Kande (SV Gloggnitz), Noah Schindler (SC Retz), Emirhan Yenigüc (Dinamo Helfort), Hamid Aminpur (SC Eggendorf) und Giuseppe Cribello (WAF Brigittenau) wurden fünf Neuzugänge verpflichtet. Verlassen haben den Verein hingegen Philipp Malicsek (SV Gloggnitz), Antonio Sokcevic (Kapfenberger SV), Max Richter (SC Retz) sowie Dominik Rotter (Schützen).
„Es liegt viel Arbeit vor uns, aber das ist nichts Neues für mich. Ich habe bereits schwierige Aufgaben gemeistert und freue mich auf diese Herausforderung. Es hat sich in der Mannschaft einiges verändert. Einige Spieler sind gegangen, gleichzeitig haben wir neue Qualität dazubekommen.“
Die bisherigen Ergebnisse in der Vorbereitung spiegeln den Umbruch wider. Zuletzt musste sich die Wiener Viktoria dem SK Sparkasse Korneuburg mit 1:2 geschlagen geben.
„Die Vorbereitungsspiele waren bisher durchwachsen. Man sieht, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Ich glaube aber, dass ich ein gutes Auge für das Spiel habe und wir das hinbekommen werden. Vielleicht wird noch nicht zum Saisonstart alles perfekt funktionieren, aber ich bin überzeugt, dass wir im Laufe der Saison die eine oder andere Mannschaft überraschen können.“
Nach einer Saison als Co-Trainer beginnt für Dozhghar Kadir nun die erste Spielzeit als Cheftrainer der Wiener Viktoria. Die Voraussetzungen haben sich verändert, der Respekt vor seinem Vorgänger ist groß – gleichzeitig möchte der ehemalige FavAC-Erfolgscoach nun mit seiner eigenen Handschrift die nächste Entwicklung des Traditionsvereins einleiten.
Foto: Dozhghar Kadir