Regionalliga Ost

Regionalliga Ost – Der Spieltag: Favoriten setzen erste Ausrufezeichen, Aufsteiger sorgen für Spektakel

Die Regionalliga Ost ist zurück – und der erste Spieltag machte sofort Lust auf mehr. Tore, Überraschungen, packende Schlussphasen und erste Fingerzeige im Kampf um die Spitzenplätze prägten den Saisonauftakt. Während Titelverteidiger SV Gloggnitz, der Wiener Sport-Club und der FC Marchfeld Donauauen ihre Ambitionen eindrucksvoll untermauerten, mussten andere Mitfavoriten bereits Federn lassen. Gleichzeitig zeigten zwei von drei Aufsteigern, dass sie keineswegs nur Statisten sein wollen.

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Der Wiener Sport-Club hatte zum Auftakt unter Neo-Coach Daniel Seper allen Grund zu jubeln (Archivbild)

Auftakt macht Lust auf eine spannende Saison

Dass die Liga auch in dieser Saison enorm ausgeglichen werden dürfte, wurde bereits in den ersten 90 Minuten vieler Teams deutlich. Kaum eine Partie verlief einseitig, zahlreiche Begegnungen wurden erst in der Schlussphase entschieden oder nahmen dort noch einmal eine völlig neue Wendung.

Favoriten starten mit starken Vorstellungen

Besonders eindrucksvoll präsentierte sich der FC Marchfeld Donauauen. Beim 5:0-Erfolg auf dem Wienerberg demonstrierte die Mannschaft von Beginn an ihre Offensivstärke und führte bereits nach einer halben Stunde mit 4:0. Entscheidend war dabei vor allem die enorme Intensität in der Anfangsphase. Danach schalteten die Marchfelder bei hochsommerlichen Temperaturen zwar einen Gang zurück, blieben aber jederzeit konzentriert und ließen defensiv überhaupt nichts zu – Wienerberg brachte keinen einzigen Schuss auf das Tor der Gäste. Ein Auftakt, wie ihn sich ein Titelkandidat kaum besser wünschen kann.

Nicht weniger souverän erledigte Titelverteidiger SV Gloggnitz seine erste Aufgabe beim Aufsteiger Mattersburger SV 2020. Der amtierende Meister kontrollierte die Begegnung über weite Strecken, setzte den eigenen Matchplan konsequent um und feierte einen ungefährdeten 2:0-Erfolg. Trainer Edi Stössl sprach nach der Partie davon, dass seine Mannschaft die Begegnung über 90 Minuten weitgehend im Griff hatte und sogar ein höherer Sieg möglich gewesen wäre. Gleichzeitig richtete er den Blick bereits nach vorne und verwies darauf, dass sich nahezu alle Vereine namhaft verstärkt hätten – ein Hinweis darauf, wie eng der Kampf an der Spitze in dieser Saison werden könnte.

Auch der Wiener Sport-Club setzte zum Auftakt ein klares Zeichen. Beim 2:0 gegen den FavAC überzeugten die Hernalser vor allem in der ersten Halbzeit mit dominantem Pressing und zahlreichen hochkarätigen Chancen. Dass die Partie zur Pause nicht bereits entschieden war, lag vor allem am starken Gästetorhüter. Trainer Daniel Seper sprach dennoch von einem „Auftakt nach Maß“, machte aber zugleich deutlich, dass seine Mannschaft nach der Pause nicht mehr dieselbe Dominanz ausstrahlte. Genau diese Mischung aus Zufriedenheit und Anspruch zeigt, welche Ziele man in Hernals verfolgt.

Donaufeld überrascht, Horn stolpert

Eine der größten Überraschungen des Wochenendes gelang dem SR Donaufeld. Gegen Mitfavorit SV Horn drehten die Wiener einen frühen Rückstand und feierten einen verdienten 2:1-Heimsieg. Vor allem die zweite Halbzeit überzeugte auf ganzer Linie. Sportlicher Leiter Werner Gössinger hob besonders den enormen Einsatz seiner Mannschaft hervor, die bei schwierigen Bedingungen über ihre Grenzen gegangen sei. Vielleicht verfüge Donaufeld nicht über die individuelle Qualität mancher Spitzenteams, könne dies aber durch eine geschlossene Mannschaftsleistung kompensieren – genau dieses Rezept ging zum Saisonauftakt eindrucksvoll auf.

Für Horn hingegen bedeutete die Niederlage bereits den ersten kleinen Dämpfer. Wer um die Meisterschaft mitspielen möchte, wird sich Ausrutscher dieser Art möglichst selten erlauben dürfen.

Aufsteiger zeigen, dass mit ihnen zu rechnen ist

Für das spektakulärste Spiel des Wochenendes sorgten Aufsteiger USV Scheiblingkirchen-Warth und der FCM Traiskirchen. Nach einer taktisch hervorragenden Vorstellung führte der Neuling trotz langer Unterzahl bis tief in die Nachspielzeit mit 3:1, ehe Traiskirchen durch zwei späte Treffer noch ein 3:3 rettete. Entsprechend groß war die Enttäuschung bei Trainer Daniel Kohn, dessen Matchplan nahezu perfekt aufgegangen war. Trotz der bitteren Schlussphase überwog jedoch der Stolz auf den Auftritt seiner Mannschaft, die allen Widerständen getrotzt und einem Spitzenteam über weite Strecken Paroli geboten hatte. Für Traiskirchen wiederum war die Moral ein wichtiges Signal – auch wenn man mit der eigenen Leistung über weite Strecken nicht zufrieden sein konnte.

Auch der Mattersburger SV 2020 verkaufte sich gegen Titelverteidiger Gloggnitz teuer. Zwar setzte sich der Meister letztlich verdient durch, der Aufsteiger ließ jedoch erkennen, dass er sich in der Liga keineswegs verstecken wird.

Lediglich der SV Wienerberg hatte zum Auftakt enorme Probleme. Den Abgang von "Lebensversicherung" Jan Mülner, der die Wiener in der letzten Saison zum Double schoss, konnte noch nicht kompensiert werden.

Eng umkämpfte Duelle ohne Sieger

Dass Erfahrung und spielerische Qualität ebenfalls nicht immer für drei Punkte reichen, zeigte das 1:1 zwischen dem SV Donau und der SPG Krems/Getzersdorf. Die Kremser bestimmten nach der Pause zwar das Geschehen und kamen verdient zum Ausgleich, mussten sich letztlich aber mit einem Punkt zufriedengeben. Donau-Trainer Dardan Zariqi erkannte die spielerische Überlegenheit des Gegners offen an, lobte aber gleichzeitig die Leidenschaft und Defensivarbeit seiner Mannschaft, die unter schwierigen Bedingungen einen wichtigen Punkt zum Auftakt erkämpfte.

Auch in Leobendorf gab es keinen Sieger. Das 1:1 gegen Parndorf fühlte sich allerdings für beide Mannschaften völlig unterschiedlich an. Während Leobendorf nach Rückstand noch ausglich, trauerte Parndorf einer Vielzahl ausgelassener Möglichkeiten nach. Gleich fünf Aluminiumtreffer sowie mehrere strittige Strafraumszenen verhinderten einen Auswärtssieg der Burgenländer. Dennoch überwog beim SC/ESV der Stolz auf die eigene Leistung – lediglich das berühmte Quäntchen Glück habe gefehlt.

Verbesserte Viktoria bleibt unbelohnt

Besonders bitter verlief der Saisonstart für den SC Wiener Viktoria. Gegen Oberwart präsentierten sich die Wiener im Vergleich zum Cup-Auftritt deutlich verbessert, begegneten dem Gegner lange Zeit auf Augenhöhe und setzten den eigenen Matchplan nahezu perfekt um. Erst die Gelb-Rote Karte kurz nach der Pause veränderte die Statik der Partie entscheidend. Trotz aufopferungsvollem Kampf fiel der entscheidende Gegentreffer erst in der 90. Minute. Trainer Dozhghar Kadir sprach dennoch von einem enormen Entwicklungsschritt seiner Mannschaft. Jeder habe seine Aufgabe erfüllt und bis zum Schluss alles investiert – eine Leistung, auf der sich trotz der Niederlage aufbauen lässt.

Erste Tendenzen, aber noch viele Fragezeichen

Nach dem ersten Spieltag ist die Tabelle zwar noch wenig aussagekräftig, dennoch lassen sich bereits erste Tendenzen erkennen. Der FCM, Gloggnitz und der Wiener Sport-Club präsentierten sich äußerst reif und bestätigten ihre Rolle als Spitzenteams. Donaufeld setzte mit dem Erfolg gegen Horn ein erstes Ausrufezeichen, während Scheiblingkirchen eindrucksvoll bewies, dass der Aufsteiger keineswegs nur um den Klassenerhalt kämpfen möchte. 

Vor allem aber zeigte der Saisonauftakt eines: Die Regionalliga Ost verspricht auch heuer wieder genau jene Mischung aus Qualität, Spannung und Unberechenbarkeit, die sie in den vergangenen Jahren ausgezeichnet hat. Wenn bereits die erste Runde derart viele Geschichten liefert, dürfen sich die Zuschauer auf eine lange und äußerst spannende Saison freuen.