Spielberichte

Neun-Tore-Wahnsinn in Traiskirchen: Felber entscheidet Spektakel gegen Leobendorf in letzter Minute

FCM Traiskirchen
SV Leobendorf

Was für ein Fußballabend in Traiskirchen: Der FCM Traiskirchen und der SV Leobendorf lieferten sich in der vierten Runde der Regionalliga Ost ein völlig verrücktes Duell, das sämtliche Wendungen bereithielt. Die Hausherren spielten sich zunächst in einen Rausch und führten nach nicht einmal einer halben Stunde bereits mit 3:0. Leobendorf schlug jedoch eindrucksvoll zurück, glich zweimal aus und schien kurz vor Schluss zumindest einen Punkt mitzunehmen. In der Nachspielzeit hatte Traiskirchen aber noch eine letzte Antwort parat: Elias Felber traf zum 5:4 und sorgte für einen emotionalen Schlusspunkt unter eine Partie, die tatsächlich nichts für schwache Nerven war.

Nahaufnahme der Beine eines Spielers mit blauen Fußballschuhen

Image by Alexander Fox | PlaNet Fox from Pixabay

Traiskirchen spielt sich zunächst in einen Rausch

Die Anfangsphase gehörte eindeutig den Gastgebern. Traiskirchen agierte mit enormer Dynamik, setzte Leobendorf früh unter Druck und ließ den Gästen kaum Möglichkeiten, selbst Zugriff auf die Begegnung zu bekommen.

Bereits in der zweiten Minute eröffnete Maximilian Sax den Torreigen. Patrick Schmidt erhöhte in der 18. Minute auf 2:0, ehe Philipp Schobesberger nach 27 Minuten sogar den dritten Treffer nachlegte. Zu diesem Zeitpunkt deutete wenig darauf hin, dass sich an diesem Abend noch ein derartiges Drama entwickeln würde.

Die ersten rund 30 Minuten waren vielmehr eine Demonstration der Traiskirchner Offensivqualität. Tempo, Spielwitz und Zielstrebigkeit stimmten, Leobendorf fand kaum Antworten.

Genau darin lag rückblickend allerdings auch die große Lehre für die Hausherren. Traiskirchen schaffte es nicht, seinen Plan über die gesamte erste Hälfte konsequent weiterzuverfolgen. Die Mannschaft kam etwas vom eingeschlagenen Kurs ab – und ein Gegner mit der Qualität Leobendorfs benötigte keine zweite Einladung.

Aus 3:0 wird innerhalb kürzester Zeit ein 3:3

Tobias Pellegrini brachte die Gäste in der 36. Minute auf 1:3 heran. Noch vor dem Seitenwechsel verkürzte Miroslav Beljan weiter und verwandelte eine vermeintlich komfortable Traiskirchner Führung plötzlich in ein knappes 3:2.

Spätestens unmittelbar nach Wiederbeginn war die Partie endgültig wieder völlig offen. Erneut war es Beljan, der in der 49. Minute zuschlug und mit seinem zweiten Treffer tatsächlich den 3:3-Ausgleich herstellte.

Damit hatte Leobendorf eindrucksvoll bewiesen, warum die Mannschaft in den ersten drei Saisonspielen ungeschlagen geblieben war. Die Gäste bestraften die nachlassende Konsequenz der Traiskirchner eiskalt und machten aus einem beinahe aussichtslosen Rückstand innerhalb von nur 22 Spielminuten wieder ein Duell auf Augenhöhe.

Ein Spiel, dessen Dynamik ständig kippt

Nach dem Seitenwechsel wollten die Gastgeber eigentlich wieder mehr Kontrolle in ihr Spiel bringen. Stattdessen entwickelte sich eine Begegnung, deren Dynamik mehrmals komplett die Richtung wechselte.

Mal schien Traiskirchen das Momentum wieder auf seiner Seite zu haben, dann schlug Leobendorf zurück. In der 73. Minute war es der zur Pause eingewechselte Philipp Hosiner, der die Hausherren mit dem 4:3 erneut in Führung brachte.

Doch auch das sollte nicht reichen. Leobendorf gab sich weiterhin nicht geschlagen und fand kurz vor dem Ende tatsächlich noch einmal eine Antwort. Hakan Gökcek erzielte in der 88. Minute das 4:4 – die nächste Wendung in einem Spiel, das längst jegliche Berechenbarkeit verloren hatte.

Nach einer 3:0-Führung und einem zwischenzeitlichen 3:3 hatte Traiskirchen damit auch den zweiten Vorsprung des Abends aus der Hand gegeben. Doch diesmal blieb noch eine letzte Gelegenheit.

Einstudierte Variante bringt den Lucky Punch

Tief in der Nachspielzeit bekam Traiskirchen noch einmal einen Eckball zugesprochen. Die Gastgeber griffen dabei auf eine Variante zurück, die im Training regelmäßig einstudiert wird. Schobesberger brachte den Ball zur Mitte, wo Elias Felber die Aktion in der 95. Minute zum umjubelten 5:4 vollendete.

Danach kannte der Jubel bei den Hausherren keine Grenzen mehr. Traiskirchen hatte eine Partie gewonnen, die nach einer halben Stunde bereits entschieden schien, anschließend vollständig kippte und bis zur allerletzten Aktion auf Messers Schneide stand.

Stimme zum Spiel:

Jochen Wöhrer (Co-Trainer FCM Traiskirchen):

„Das war definitiv nichts für schwache Nerven – Blutdruckpulver brauche ich nach so einer Partie keines mehr. Die ersten 30 Minuten haben wir überragenden Fußball gespielt und Leobendorf überhaupt keinen Zugriff auf die Partie gegeben. Gleichzeitig haben wir aber noch Phasen in unserem Spiel, in denen wir unseren Plan nicht konsequent genug verfolgen und etwas vom Kurs abkommen. Gegen eine richtig gute Mannschaft wie Leobendorf wird das natürlich sofort bestraft. Nach der Pause war es dann ein Hin und Her, obwohl wir eigentlich mehr Spielkontrolle haben wollten. Die Dynamik ist heute mehrmals in die eine oder andere Richtung gekippt. Dass wir so eine Partie am Ende noch für uns entscheiden, ist für die Moral natürlich extrem wertvoll. Das Siegtor fällt nach einer Eckballvariante, die wir immer wieder trainieren, und Schobesberger belohnt uns schließlich dafür. Wir können sehr viel Positives aus diesem Spiel mitnehmen, sehen aber genauso, dass noch einiges an Verbesserungspotenzial vorhanden ist. Zum Analysieren haben wir jedenfalls jede Menge.“

Regionalliga Ost: Traiskirchen : Leobendorf - 5:4 (3:2)

  • 95
    Elias Felber 5:4
  • 88
    Hakan Gökcek 4:4
  • 73
    Philipp Hosiner 4:3
  • 49
    Miroslav Beljan 3:3
  • 41
    Miroslav Beljan 3:2
  • 36
    Tobias Pellegrini 3:1
  • 27
    Philipp Schobesberger 3:0
  • 18
    Patrick Schmidt 2:0
  • 2
    Maximilian Sax 1:0