Nach dem Fast-Abstieg in der Vorsaison präsentiert sich der Ennser SK in der Bezirksliga Ost wie verwandelt. Das Team von Trainer Peter Prokopczyk führt die Tabelle nach einer herausragenden Hinrunde mit 34 Punkten an und liegt bereits sechs Zähler vor Verfolger Mitterkirchen. Mit einem Torverhältnis von 32:14 überzeugten die Enns sowohl defensiv als auch offensiv. Bester Torschütze im Herbst war Ibrahim Asani mit neun Treffern.
Der Weg an die Tabellenspitze war für Coach Prokopczyk alles andere als selbstverständlich. Nach seinem Amtsantritt im Sommer stand der Ennser SK vor einem größeren personellen Umbruch. „Wir haben im Sommer acht neue Spieler bekommen. Das war für mich als Trainer natürlich keine einfache Ausgangslage“, blickt Prokopczyk zurück. Erschwerend kam hinzu, dass die Vorbereitung durch Urlaube geprägt war. „Über gut zweieinhalb Wochen waren im Sommer immer wieder viele Spieler auf Urlaub. Teilweise waren nur wenige im Training. Trotzdem ist es uns gelungen, uns als Mannschaft relativ schnell zu finden.“
Dass der Ennser SK dennoch so stabil durch den Herbst marschierte, führt der Trainer vor allem auf das funktionierende Kollektiv zurück. „Wir haben einen sehr guten Teamgeist entwickelt. Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft ist wirklich stark“, so Prokopczyk. Die fußballerische Qualität sei zwar unbestritten vorhanden, entscheidend sei aber mehr gewesen als nur das Können am Ball. „Qualität alleine reicht nicht. Es geht auch um Charakter, Mentalität und darum, wie man miteinander arbeitet. Die Jungs haben unsere Spielidee sehr gut angenommen und wollten unbedingt erfolgreich sein.“
Ein zentrales Element der starken Hinrunde war die defensive Stabilität. Zwar benötigte die Mannschaft zu Saisonbeginn noch etwas Zeit, um sich zu finden, danach entwickelte sich der ESK jedoch zur defensivstärksten Mannschaft der Liga. „Nach den ersten zwei, drei Spielen hatten wir eine Phase, in der wir fünf oder sechs Partien in Folge ohne Gegentor geblieben sind“, erklärt Prokopczyk. „14 Gegentore in der Bezirksliga Ost – das ist ein richtig guter Wert.“ Dabei sei die Stabilität nicht auf einzelne Spieler zurückzuführen. „Natürlich gibt es erfahrene Akteure, aber im Grunde hat die gesamte Mannschaft defensiv hervorragend gearbeitet. Jeder hat seinen Teil beigetragen.“
Auch offensiv wusste der Ennser SK zu überzeugen – vor allem durch Effizienz. „Es waren einige Spiele dabei, die sehr eng waren. Da hätte auch ein Unentschieden gepasst. Aber wir haben diese Partien mit 1:0 oder 2:0 gewonnen“, so der Trainer. Ein Ausreißer nach unten blieb jedoch nicht aus. „Gegen Bad Hall waren wir richtig schlecht und haben 2:6 verloren. Solche Spiele passieren im Fußball“, sagt Prokopczyk offen. Entscheidend sei jedoch die Reaktion darauf gewesen. „Im letzten Heimspiel gegen Ansfelden haben wir dann eine bärenstarke Leistung gezeigt. Das war ein richtig guter Abschluss der Herbstsaison und hat gezeigt, wie gefestigt die Mannschaft ist.“
Unterm Strich sieht Prokopczyk die Tabellenführung als absolut verdient an. „Wenn man berücksichtigt, dass wir viele neue Spieler integrieren mussten, dann haben die Jungs das wirklich hervorragend gemacht.“ Die Mannschaft habe über weite Strecken der Hinrunde konstant auf hohem Niveau gespielt. „Besser geht es immer, aber insgesamt haben wir es sehr, sehr gut gemacht.“
Mit sechs Punkten Vorsprung gehen die Ennser als Gejagte in die Rückrunde. An der Zielsetzung lässt Prokopczyk keinen Zweifel. „Natürlich wollen wir Meister werden. Wenn ich jetzt etwas anderes sagen würde, würde mir das keiner glauben.“ Gleichzeitig warnt er vor zu viel Euphorie. „Die Liga ist extrem ausgeglichen. Wir müssen wieder an unsere Leistungsgrenze kommen, gut trainieren und Woche für Woche bereit sein.“ Seine Herangehensweise bleibt bewusst nüchtern: „Wir denken von Spiel zu Spiel. Wenn am Ende der erste Platz herausschaut, dann wird sich hier in Enns sicher niemand beschweren.“
Um für die Rückrunde gerüstet zu sein, wurde der Kader im Winter erweitert. Mit Daniel Lengauer (Freistadt), Julian Öllinger und Anu Khonsoongnoen (beide Union Leonding) sowie den Rückkehrern aus Mauthausen, Dominik Juric (Tormann) und Edonis Vuciterna, wurden fünf Spieler verpflichtet. „Das gibt uns noch mehr Optionen“, so Prokopczyk, der seit dem 12. Jänner wieder mit seiner Mannschaft im Training steht. Anfang Februar folgt ein Trainingslager in Kroatien, um die Basis für eine erfolgreiche Rückrunde zu legen.