Frauen in OÖ

ERFOLGSTRAINER Harald HEL musste beim Herbst-„Vize“ der FK Nord/Ost, Ottensheim 1 b, „passen“!

Aus gesundheitlichen Gründen beendete der erfolgreiche Coach seine Tätigkeit mit sofortiger Wirkung; das Ligaportal führte mit ihm das folgende Interview:

Ligaportal: Harald, was führte letztendlich zu Deiner überraschenden Entscheidung!

Harald HEL: „Ein Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule behindert mich derart, dass mir nur mehr eine massiv beeinträchtigte Tätigkeit möglich wäre und deshalb habe ich diesen schweren Entschluss gefasst.“

Dass er Dir nicht leichtgefallen ist, kann ich mir gut vorstellen, oder?

„Schweren Herzens deshalb, weil ich mit diesem Team sehr gut arbeiten konnte und meine Vorstellungen verwirkliche konnte. Ich habe ja schon bei einigen Frauenteams gearbeitet, aber eine derartige Förderung und Wertschätzung wie beim TSV Ottensheim habe ich noch selten vorgefunden, sie ist schon herausragend. Ich habe mich da immer sehr wohl gefühlt, so wie damals bei Union Elements Dorf/Pram, und hatte auch mit Ottensheim-Cheftrainer Moritz Böker eine ausgezeichnete Basis bei der Zusammenarbeit, das A-Team und die 1 b-Mannschaft werden gleichbehandelt.“

Du warst ja mit den Mädels in der Frauenklasse Nord punktegleich mit Herbstmeister Maria Neustift in der aktuellen Vorbereitung auf einem sehr guten Weg?

„Wir haben ein Testspiel beim Trainingslager in Tschechien mit 5:0 gewonnen und zuletzt den Landesligisten Union Lembach mit 3:0 besiegt. Unsere Intention vor dem Frühjahrsauftakt war es, vorne mitzuspielen, mit großem Trainingseifer uns weiterzuentwickeln, aber vor allem sollen Talente an die Kampfmannschaft A herangeführt werden“.

Wer wird Dir als Trainer folgen?

Leider hat mein unvermeidbarer Ausfall das Team und die Verantwortlichen überrascht, und ich bin auch bisher ohne Co-Trainer ausgekommen, sodass es hier keine Möglichkeit gibt, nachzurücken. Ich bin aber sicher, dass die Verantwortlichen eine gute Lösung finden werden.“

Ist Dein „Rückzug“ endgültig oder könntest Du Dir in einiger Zeit ein „Comeback“ vorstellen, wenn es Dir gesundheitlich wieder möglich wäre?

„Nein, das ist absolut das Ende meiner Tätigkeit, Du darfst nicht vergessen, auch das Alter spielt hier eine Rolle“.

Ottensheim ist dann Deine letzte Trainerstation im Frauenfußball, wann hast Du überhaupt mit Fußball begonnen?

„Relativ spät, mit 14 Jahren, dann war ich über 40 Jahre als Spieler und Trainer tätig. Die Trainerstationen waren Thalheim, ESV Wels, Prambachkirchen und Hofkirchen im Mühlkreis bei den Männern, ehe ich 2013 erstmals bei Schlüßlberg ein Damenteam gecoacht habe. Anfänglich noch von Kollegen belächelt, habe ich bald gemerkt, wie viel Qualität die Mädels schon mitbrachten und ich war so fasziniert nach den ersten Trainingseinheiten, dass ich weitergemacht habe. Immerhin 4 Jahre dauerte diese Tätigkeit dann wurde es mit dem kleinen Kader immer schwieriger und das Team hat sich aufgelöst. Einige Aktive sind dann nach Krenglbach übersiedelt, dort habe ich auch noch trainiert“.

Kann mit mit Recht Deine Aufbauzeit bei Dorf/Pram als Deine erfolgreichste Zeit bezeichnen?

„Ja, denn die Arbeit bei Ottensheim ist ja noch zu kurz zur Beurteilung, obwohl ich mich da wieder so wohl wie bei Dorf gefühlt habe. 2018 habe ich bei Dorf/Pram begonnen, wir haben einen „Durchmarsch bis in die LT1- O.Ö.- Liga hingelegt, das war schon eine Erfolgsgeschichte. Julia Dürnberger wurde sogar ein Jahr vom LASK in der 2. Frauen-Bundesliga engagiert, das sind „highlights“ für einen Trainer und beweisen, welche Leistungen auch kleine Vereine vollbringen können".

Welche Vereinefolgten?

„Im Jänner 2023 habe ich beim TuS Kremsmünster übernommen, nach einem sehr erfolgreichen Frühjahr flaute die Begeisterung der Mädels ab, auch Ausfälle mussten wir verkraften, ich spürte nicht mehr den Anfangselan und hörte im September auf.

Im Frühjahr 2024 versuchte ich mich als Trainer bei Kefermarkt, in einer ganz schwierigen Personalsituation mit immer weniger Spielerinnen beim Training gelang es nicht, gute Ergebnisse zu erzielen und den Sinkflug zu vermeiden. Beim SPG ASKÖ Perg/Windhaag landeten wir im Herbst 2024 im Mittelfeld, so schlugen wir z.B.Ottensheim 1 b noch mit 3:2, im Frühjahr reichte es noch zu einem 3:3-Remis und im Herbst 2025 gewann Ottensheim 1b bereits mit 5:0.

Aus diesem Beispiel siehst Du deutlich, wie sich Kräfteverhältnisse in relativ kurzer Zeit verschieben können, sowohl positiv als auch in die Gegenrichtung.“

Hast Du Deine „Abzweigung“ zum Frauenfußball je bereut?

„Nein, absolut nicht, wenn ich, auch, wie vorhin erwähnt, bei kleineren Vereinen meine Vorstellungen aus den verschiedensten Gründen nicht so realisieren konnte, insgesamt ist das Niveau enorm gestiegen, die Qualität ist beachtlich geworden und ich habe sehr schöne Zeiten erlebt.

Was wünscht Du Deinen Schützlingen für die nächste Zukunft?

„Dass ihre Entwicklung weiter so positiv verläuft, der Erfolg wird nicht auf sich warten lassen, wenn sie ihre Ziele so konsequent im Auge behalten wie bisher“.

Für das aufschlussreiche Gespräch und die perfekte Zusammenarbeit in den letzten Jahren herzlichen Dank, für Deine Gesundheit wünsche ich Dir vorrangig Alles Gute!

Helmut Pichler