Regionalliga Ost

Regionalliga Ost – Der 2. Spieltag in der Analyse

Zwei Spieltage sind absolviert – und die Regionalliga Ost beginnt bereits, erste Geschichten zu schreiben. Während Titelverteidiger SV Gloggnitz und der Wiener Sport-Club mit der Maximalausbeute von sechs Punkten gestartet sind, sorgt vor allem der SR Donaufeld für Aufsehen. Nach dem Auftakterfolg gegen Horn bezwangen die Floridsdorfer mit Traiskirchen gleich den nächsten hoch eingeschätzten Gegner. Für die vielleicht größte Überraschung des Wochenendes sorgte allerdings Aufsteiger USV Scheiblingkirchen-Warth. Eine Woche nach dem spektakulären 3:3 gegen Traiskirchen drehte die Mannschaft von Daniel Kohn einen Rückstand in Oberwart und entführte mit einem späten 2:1-Erfolg alle drei Punkte aus dem Burgenland. Gleichzeitig meldeten sich Horn und Parndorf nach ihren verhaltenen Auftaktergebnissen eindrucksvoll zurück. Leobendorf bestätigte seine starke Frühform, während Wienerberg und Wiener Viktoria weiterhin auf die ersten Punkte warten.

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Donaufeld macht aus Geschlossenheit echte Waffe

Sechs Punkte aus den ersten beiden Spielen wären für den SR Donaufeld bereits zufriedenstellend genug. Noch beeindruckender ist allerdings die Art und Weise, wie sie zustande gekommen sind. Nach dem 2:1 gegen den SV Horn wartete mit dem FCM Traiskirchen bereits der nächste Gegner aus dem Kreis der Titelanwärter. Donaufeld ließ sich davon wenig beeindrucken und setzte sich auswärts mit 1:0 durch. Ein frühes Eigentor von Elias Felber nach einer scharfen Hereingabe brachte die Floridsdorfer bereits in der achten Minute auf Kurs.

Danach zeigte sich erneut, was diese Mannschaft aktuell auszeichnet. Donaufeld versuchte nicht, Traiskirchen spielerisch zu übertrumpfen, sondern nahm dem Gegner mit hoher Laufbereitschaft, aggressivem Anlaufen und konsequenter Arbeit gegen den Ball die Räume. Sportchef Werner Gössinger brachte die Grundidee treffend auf den Punkt: Jeder müsse bereit sein, auch jene Meter zu machen, die nicht unmittelbar mit einem Ballgewinn belohnt werden. Genau diese Bereitschaft war bei den Gästen über die gesamte Spielzeit erkennbar.

Traiskirchen durfte zwar sein bekannt sauberes Passspiel zeigen, kam daraus jedoch kaum zu echter Torgefahr. Donaufeld blieb eng an den Gegenspielern, schaltete nach Ballgewinnen schnell um und brachte den knappen Vorsprung letztlich souverän über die Zeit.

Nach Siegen gegen Horn und Traiskirchen lässt sich der perfekte Start kaum noch als Zufallsprodukt abtun. Die Floridsdorfer besitzen vielleicht nicht auf jeder Position die prominentesten Namen der Liga, kompensieren das derzeit aber mit genau jener Geschlossenheit, die Gössinger bereits letzte Woche als große Stärke hervorgehoben hatte.

Scheiblingkirchen macht aus dem Aufstiegseffekt Euphorie

Zuhause gegen Traiskirchen und auswärts in Oberwart – viel anspruchsvoller hätte der Start für Aufsteiger Scheiblingkirchen-Warth kaum ausfallen können. Dass die Niederösterreicher nach zwei Runden trotzdem mit 4 Zählern ungeschlagen sind, ist eines der stärksten Signale dieses Saisonbeginns.

Beim 2:1-Auswärtssieg in Oberwart musste die Mannschaft von Daniel Kohn zunächst einen verdienten Rückstand hinnehmen. Lukas Ried hatte die Gastgeber im ersten Durchgang in Führung gebracht, Scheiblingkirchen reagierte jedoch nach der Pause beeindruckend. Kohn und sein Trainerteam korrigierten einige Dinge, die Gäste besetzten die Räume besser und zogen ihr Spiel konsequenter über die Außenbahnen auf. Christoph Eisinger sorgte in der 53. Minute für den Ausgleich und veränderte damit auch die Dynamik der Begegnung.

Der größere Druck lag danach bei Oberwart. Scheiblingkirchen konnte zunehmend befreiter auftreten – und schlug genau dann zu, als vieles bereits auf eine Punkteteilung hindeutete. Gregor Simandl köpfte in der Nachspielzeit zum 2:1 ein. Besonders bemerkenswert war dabei auch die Reaktion auf die Vorwoche. Gegen Traiskirchen hatte der Aufsteiger in der Nachspielzeit noch eine 3:1-Führung aus der Hand gegeben. Diesmal blieb Scheiblingkirchen nach dem eigenen späten Treffer vollkommen fokussiert und verteidigte die letzten Oberwarter Standards konsequent weg.

Kohn ordnete den Erfolg trotzdem realistisch ein. Nicht zwingend die bessere Mannschaft habe gewonnen, sondern jene, die in den entscheidenden Momenten die richtigen Dinge gemacht habe. Genau diese Mischung aus Selbstvertrauen und Bodenhaftung könnte für den Aufsteiger noch wertvoll werden.

Gloggnitz reagiert wie ein Meister

Der SV Gloggnitz hat ebenfalls sechs Punkte – und bestätigte gegen Krems, warum man als Titelverteidiger erneut ganz oben einzuordnen ist. Der Meister geriet durch Burak Yilmaz früh mit 0:1 in Rückstand und musste trotz spielerischer Vorteile mit diesem Ergebnis in die Pause gehen. Was danach folgte, war allerdings eine Demonstration von Qualität und Effizienz.

Innerhalb von nur sechs Minuten drehten Antonin Svoboda, Deni Alar und Gerald Peinsipp die Partie vollständig. Aus einem 0:1 wurde zwischen der 48. und 54. Minute ein 3:1.

Trainer Edi Stössl verwies anschließend auf die Anpassungen in der Pause. Gloggnitz besetzte die Räume besser, spielte konsequenter über die Seiten und erhöhte damit noch einmal den Druck auf die Kremser Defensive. Gerade solche Spiele sind für einen Titelverteidiger besonders aussagekräftig. Nicht immer läuft eine Begegnung von Beginn an nach Wunsch. Gloggnitz zeigte jedoch jene Ruhe und Qualität, die es braucht, um auch schwierige Situationen zu drehen.

Nach dem 2:0 in Mattersburg steht der Meister damit weiterhin makellos an der Tabellenspitze.

Wiener Sport-Club bleibt ebenfalls ohne Punktverlust

Auch der Wiener Sport-Club hat nach zwei Runden die volle Ausbeute auf dem Konto. Nach dem 2:0-Heimsieg gegen den FavAC gewannen die Hernalser nun auch beim Mattersburger SV 2020 mit 1:0.

Eren Keles erzielte kurz vor der Pause mit einem sehenswerten Lupfer den entscheidenden Treffer. Vor allem in der ersten Halbzeit hatte der Sport-Club die Begegnung unter Kontrolle und zeigte sowohl mit als auch gegen den Ball eine überzeugende Vorstellung. Nach dem Seitenwechsel wurde Mattersburg zwar aktiver, kam aber kaum zu einer wirklich klaren Torchance. Genau darin liegt aktuell eine der großen Stärken des Sport-Clubs. Die Mannschaft von Daniel Seper wirkt defensiv stabil und lässt sich auch in engeren Spielphasen nicht aus der Ordnung bringen.

Dass bereits zum zweiten Mal in Folge die Null stand, dürfte Trainer Daniel Seper besonders freuen. Seper verwies darauf, dass seine Mannschaft in drei der bisherigen vier Halbzeiten sehr dominant aufgetreten sei. Gleichzeitig muss der Sport-Club aktuell mehrere verletzte Offensivspieler kompensieren, was in der Offensive noch etwas Improvisation erfordert.

Was noch kommen kann wenn Spieler wie Van Zaanen, Pecirep und Oppong wieder fit sind, dürfte auch die Sport-Club-Fans freuen.

Leobendorf bestätigt den starken Auftakt

Zu den Gewinnern des Wochenendes gehört auch der SV Leobendorf. Nach dem 1:1 gegen Parndorf setzte sich die Mannschaft beim FC Marchfeld Donauauen mit 1:0 durch.

Miroslav Beljan erzielte kurz nach der Pause seinen ersten und den einzigen Treffer einer taktisch geprägten Begegnung. Große Torchancen waren über weite Strecken Mangelware, Leobendorf wirkte allerdings etwas präsenter und überzeugte vor allem durch eine hochkonzentrierte Defensivleistung.

Gerade im Kontext des ersten Spieltags gewinnt dieser Erfolg zusätzlich an Wert. Parndorf, gegen das Leobendorf zum Auftakt einen Punkt geholt hatte, zerlegte den SV Donau parallel mit 6:1. Vier Punkte aus den Spielen gegen Parndorf und Marchfeld stellen damit einen sehr starken Start dar. Leobendorf wirkt defensiv stabil, diszipliniert und bislang äußerst schwer zu bespielen.

Für Marchfeld bedeutete das 0:1 hingegen einen deutlichen Kontrast zur Vorwoche. Nach dem furiosen 5:0 auf dem Wienerberg konnte der FCM diesmal offensiv kaum Akzente setzen.

Parndorf lässt es krachen

Wie viel Qualität im SC/ESV Parndorf steckt, hatte bereits das unglückliche 1:1 in Leobendorf angedeutet. Fünf Aluminiumtreffer ließen die Burgenländer damals einem möglichen Sieg hinterhertrauern.

Eine Woche später funktionierte die Chancenverwertung deutlich besser. Beim 6:1 gegen den SV Donau zeigte Parndorf eine der offensiv stärksten Vorstellungen des gesamten Spieltags. Dominik Schmidt schnürte einen Dreierpack, Ebrima Fofana steuerte zwei Treffer bei und Marek Rigo setzte mit einem Distanzschuss den Schlusspunkt.

Vor allem das Zusammenspiel zwischen Schmidt und Fofana stellte die Donau-Defensive vor enorme Probleme. Fofana mit einem Doppel-, Schmidt gar mit einem Triplepack schossen die Wiener förmlich nach Hause. Der klare Erfolg relativiert zugleich den Leobendorfer Punktgewinn aus der Vorwoche und unterstreicht, dass mit Parndorf in dieser Saison zu rechnen sein dürfte. Vier Punkte aus zwei Spielen sind ordentlich, die gezeigten Leistungen bislang sogar noch ein Stück stärker.

Für den SV Donau war es nach dem respektablen 1:1 gegen Krems dagegen eine bittere Standortbestimmung. Obmann Nermin Jusic sprach die Probleme offen an: individuelle Fehler, Defensivverhalten, Abstimmung und Umschaltspiel werden in den kommenden Wochen zentrale Themen sein.

Horn meldet sich zurück, Wienerberg zahlt weiter Lehrgeld

Nach der Auftaktniederlage in Donaufeld stand der SV Horn bereits früh unter einem gewissen Druck. Gegen Wienerberg reagierte der Mitfavorit jedoch souverän.

Beim 3:0-Heimerfolg bestimmten die Waldviertler über weite Strecken das Geschehen. Jonas Borkowski brachte Horn im ersten Durchgang in Führung, Simon Widor und Flavio Dos Santos Dias sorgten nach der Pause für klare Verhältnisse. Trainer Stefan Hirczy zeigte sich entsprechend zufrieden und hätte sich aufgrund des Spielverlaufs sogar einen noch höheren Erfolg vorstellen können.

Für Wienerberg setzt sich dagegen ein brutales Auftaktprogramm fort. Nach dem 0:5 gegen Marchfeld folgte nun das 0:3 in Horn. Acht Gegentore und noch kein eigener Treffer lesen sich ernüchternd. Trainer Peter Weingartmann erkannte gegenüber der Vorwoche zwar eine Verbesserung, verwies aber gleichzeitig auf die individuelle Klasse der Horner und darauf, wie anspruchsvoll diese Regionalliga-Saison für sein Team werden dürfte.

Gerade für einen Aufsteiger ist dieser Saisonbeginn allerdings nur bedingt aussagekräftig. Mit dem FC Marchfeld und Horn warteten gleich zwei Mannschaften aus dem oberen Qualitätssegment.

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FavAC gewinnt enges Wiener Duell

Die ersten drei Punkte durfte auch der FavAC bejubeln. Gegen die Wiener Viktoria reichte ein Treffer von Faris Kavaz in der 70. Minute zum 1:0-Heimsieg.

Die Begegnung verlief über weite Strecken ausgeglichen. Viktoria hatte sogar leichte Vorteile bei den Torchancen, ließ diese jedoch ungenutzt. Der FavAC zeigte sich im entscheidenden Moment effizienter und brachte den Vorsprung anschließend über die Zeit. Trainer Herbert Gager machte keinen Hehl daraus, dass auch ein Unentschieden möglich gewesen wäre. Gerade deshalb besitzen diese drei Punkte besonderen Wert. In einem direkten Duell mit einem Gegner auf Augenhöhe können solche Erfolge im weiteren Saisonverlauf entscheidend werden.

Für Wiener Viktoria dagegen wird der Start langsam unangenehm. Nach dem Cup-Aus gegen Parndorf und der späten 1:2-Niederlage gegen Oberwart, blieb die Mannschaft auch im dritten Bewerbsspiel ohne Sieg bzw. Punkt. Die Leistungen waren dabei keineswegs schlecht. Gegen Oberwart hatte Viktoria lange auf Augenhöhe agiert, beim FavAC waren ebenfalls Möglichkeiten vorhanden.

Bislang fehlt allerdings, ähnlich wie im Vorjahr, die Effizienz – und nach zwei Runden steht trotz ansprechender Phasen noch die Null auf der Habenseite.

Sechs Punkte sind sechs Punkte – aber die Unterschiede sind spannend

Nach zwei Spieltagen stehen Gloggnitz, der Wiener Sport-Club und Donaufeld mit sechs Punkten da. Trotzdem erzählen diese perfekten Starts drei unterschiedliche Geschichten.

Gloggnitz bestätigt bislang die Reife eines Meisters. Der Sport-Club verbindet Dominanz mit defensiver Stabilität. Donaufeld hingegen beeindruckt durch maximale Geschlossenheit und hat mit Horn und Traiskirchen bereits zwei nominell stärkere Gegner bezwungen. Dahinter haben Leobendorf, Parndorf und Scheiblingkirchen mit jeweils vier Punkten ebenfalls erste Ausrufezeichen gesetzt.

Gerade der Aufsteiger aus Scheiblingkirchen ist dabei vielleicht die spannendste Geschichte der ersten beiden Runden. Traiskirchen und Oberwart als erste Gegner – und trotzdem ungeschlagen. Viel mehr kann man von einem Liganeuling kaum verlangen.

Gleichzeitig zeigt der Saisonstart, wie wenig selbstverständlich Punkte in dieser Liga sind. Traiskirchen wartet trotz großer individueller Qualität noch auf den ersten Sieg, Krems ebenfalls. Der FC Marchfeld musste nach einem 5:0-Auftakt bereits die erste Niederlage hinnehmen, während Horn nach dem Rückschlag zum Start sofort zurückschlug.

Nach zwei Runden ist noch nichts entschieden – und trotzdem zeichnet sich bereits ab, dass diese Saison kaum Platz für Nachlässigkeiten lassen wird. Wer nicht bereit ist, die berühmten Meter „umsonst“ zu machen, wird es gegen alle Mannschaften schwer haben.

 

Fotos: Wiener Sport-Club & SV Horn