Regionalliga Ost

Erster Sieg als Bestätigung des Weges: Wiener Viktoria sieht Entwicklung nach großem Umbruch

Nach zwei Niederlagen zum Saisonstart ist der SC Wiener Viktoria in der dritten Runde der Regionalliga Ost erstmals voll angeschrieben. Das 3:1 gegen Aufsteiger MSV 2020 war für Trainer Dozhghar Kadir allerdings weit mehr als nur der erste Dreier der neuen Spielzeit. Vor allem die Entwicklung seiner stark veränderten Mannschaft stimmt den Viktoria-Coach zuversichtlich. Nach einem großen personellen Umbruch und einer kurzen gemeinsamen Vorbereitung sieht Kadir sein Team zunehmend auf dem richtigen Weg.

Wiener Viktoria MSV2020 Kabinenjubel

„Mental unglaublich wichtig“

Die Erleichterung über den ersten Saisonsieg war bei der Wiener Viktoria entsprechend groß. Kadir bewertete den Erfolg gegen Mattersburg als verdient und vor allem für die Köpfe seiner Spieler als enorm wertvoll.

„Dieser Sieg war für die Mannschaft mental unglaublich wichtig“, betonte der Viktoria-Trainer. Schon in den ersten beiden Runden habe seine Mannschaft keineswegs enttäuscht. Gegen Oberwart sei eine ordentliche Leistung unbelohnt geblieben, beim FavAC habe Kadir sein Team sogar als die bessere Mannschaft gesehen. Was gefehlt habe, seien letztlich die Tore und damit auch die entsprechenden Ergebnisse gewesen.

Gegen Mattersburg passte diesmal beides zusammen. Die Viktoria sei von Beginn an aktiver, disziplinierter und fokussierter aufgetreten. „Die Mannschaft hat wirklich alles auf den Platz gebracht“, zeigte sich Kadir mit der Vorstellung zufrieden.

Dabei wollte er den ersten Sieg keineswegs mit der bisherigen Punkteausbeute des Gegners relativieren. Mattersburg sei eine gute Mannschaft, deren punktloser Saisonstart auch mit dem schwierigen Programm zusammenhänge. Gegen Meister Gloggnitz und den Wiener Sport-Club könne man schließlich verlieren.

Konsequenz vor dem Tor macht den Unterschied

Ein entscheidender Fortschritt gegenüber den ersten beiden Saisonspielen war die Konsequenz in der Offensive. Gerade daran hatte es zuvor noch gemangelt.

Beim Führungstreffer spielte die Viktoria nach einem Einwurf zielstrebig über die Seite in die Tiefe und fand anschließend in der Mitte den Abnehmer. Beim 2:0 zeigte Deniz Pehlivan nach einem langen Ball seine individuelle Qualität: Ein starker erster Kontakt verschaffte ihm die nötige Position, anschließend folgte der präzise Abschluss ins Eck.

Damit war die Viktoria diesmal genau dort effizient, wo sie in den Wochen zuvor noch Möglichkeiten liegen gelassen hatte. Sogar ein dritter Treffer wäre bereits vor der Pause möglich gewesen. Gleichzeitig gelang es, Mattersburg über weite Strecken kaum zur Entfaltung kommen zu lassen.

Kurze Schwächephase nach dem Anschlusstreffer

Für Kadir war nach der starken ersten Hälfte auch entscheidend, wie seine Mannschaft mit der Führung umgehen würde. Die Vorgabe für den zweiten Durchgang war deshalb klar: nicht zurückziehen, sondern genauso konzentriert weitermachen.

Die Wiener wollten zeigen, dass sie bereits reif genug sind, eine solche Partie kontrolliert zu Ende zu bringen. Der frühe Mattersburger Anschlusstreffer per Elfmeter stellte diese Reife jedoch unmittelbar auf die Probe. Ob die Entscheidung tatsächlich zwingend war, wollte Kadir im Nachhinein nicht groß thematisieren. „Der Schiedsrichter hat ihn gegeben, das muss man akzeptieren.“

Unmittelbar danach habe seine Mannschaft kurz gewackelt. Genau in dieser Phase sah der Trainer aber auch einen wichtigen Entwicklungsschritt. Durch Veränderungen gelang es der Viktoria, sich wieder zu stabilisieren, die Kontrolle zurückzugewinnen und Mattersburg den Schwung zu nehmen. Das spätere 3:1 beseitigte schließlich die letzten Zweifel am ersten Saisonsieg.

Großer Umbruch braucht Zeit

Dass nach drei Runden noch nicht sämtliche Abläufe funktionieren können, überrascht Kadir nicht. Rund drei Viertel der Mannschaft wurden im Sommer ausgetauscht, gleichzeitig blieb nur eine kurze Vorbereitung, um aus zahlreichen neuen Spielern eine Einheit zu formen.

Dementsprechend war den Verantwortlichen bereits vor Saisonbeginn bewusst, dass die Entwicklung mit dem ersten Meisterschaftsspiel keineswegs abgeschlossen sein würde. Die Viktoria müsse auch während der laufenden Saison in vielen Bereichen so weiterarbeiten, wie es normalerweise in einer längeren Vorbereitung möglich wäre.

„Solche Siege kommen nicht einfach so. Aber die Steigerung unserer Leistungen stimmt mich sehr zuversichtlich“, erklärte Kadir. Gerade deshalb besitzt das 3:1 gegen Mattersburg für ihn zusätzliche Bedeutung. Die Mannschaft erhält erstmals auch in Form eines Ergebnisses die Bestätigung dafür, dass sich die gemeinsame Arbeit auszahlt.

Erfolg soll den Zusammenhalt weiter stärken

Nach intensiven ersten Wochen wollte Kadir seinen Spielern deshalb ausdrücklich zugestehen, den Erfolg zu genießen. Der erste Dreier soll nicht sofort abgehakt, sondern durchaus als Belohnung wahrgenommen werden. „Die Spieler dürfen sich an diesem Wochenende freuen. Das tut ihnen sehr gut“, so der Viktoria-Trainer.

Kadir erhofft sich davon auch einen weiteren Effekt auf die Entwicklung der neu zusammengestellten Mannschaft. Gemeinsame Erfolgserlebnisse könnten gerade nach einem derart großen personellen Umbruch dabei helfen, aus vielen Einzelspielern schneller eine geschlossene Einheit zu formen.

Der erste Saisonsieg ist für die Wiener Viktoria damit weniger ein Endpunkt als vielmehr die Bestätigung eines Prozesses. Die Resultate der ersten Wochen waren noch wechselhaft, die Entwicklung der Leistungen zeigt für Kadir jedoch klar in die richtige Richtung. Und mit dem ersten gemeinsamen Erfolgserlebnis im Rücken soll nun auch der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft weiter wachsen.

 
Foto: SC Wiener Viktoria