Was für ein Ende in Mattersburg! Der SV Donau sah nach einer über weite Strecken überzeugenden Vorstellung lange wie der sichere Sieger aus, musste sich beim Mattersburger Sportverein 2020 letztlich aber mit einem 2:2 begnügen. Paul Staudinger hatte die Gäste mit einem Doppelpack in einer starken ersten Hälfte komfortabel in Führung gebracht. Nach der Pause kippte die Partie jedoch zunehmend – und mit der praktisch letzten Aktion folgte eine Szene, wie man sie auch in der Regionalliga Ost nur selten erlebt: Mattersburgs Torhüter Florian Kaltenböck ging bei einem letzten Freistoß mit nach vorne und erzielte in der 97. Minute höchstpersönlich den Ausgleich.

Donau knüpfte zunächst nahtlos an die zuletzt gezeigten Leistungen an. Die Gäste traten kompakt und aggressiv auf, hatten einen guten Zugriff auf die Begegnung und überzeugten gleichzeitig mit dem Ball. Mattersburg fand gegen die konsequente Spielweise der Wiener zunächst kaum Lösungen.
Nach 22 Minuten belohnte sich Donau für den starken Beginn. Die Gäste spielten sich sehenswert nach vorne und setzten Paul Staudinger in Szene. Mattersburg-Keeper Florian Kaltenböck kam aus seinem Tor, konnte den Angreifer aber nicht mehr stoppen. Staudinger umkurvte den Schlussmann und schob zur verdienten Führung ein. Nur sechs Minuten später schlug der Donau-Angreifer erneut zu. Wieder kombinierte sich die Mannschaft stark durch die Mattersburger Reihen. Eddi Jusic bediente Staudinger, der den Angriff mit einem präzisen Abschluss zum 2:0 vollendete.
Die Zwei-Tore-Führung spiegelte eine erste Hälfte wider, in der Donau vieles von dem auf den Platz brachte, was die Mannschaft in den vergangenen Wochen ausgezeichnet hatte. Kompaktheit gegen den Ball, hohe Intensität und mutiges Spiel mit dem Ball sorgten dafür, dass Mattersburg lange kaum zur Entfaltung kam.
Nach dem Seitenwechsel änderten sich die Kräfteverhältnisse allerdings. Donau gelang es nicht mehr, an die Konsequenz und spielerische Qualität der ersten 45 Minuten anzuknüpfen. Mattersburg wurde aktiver, bekam mehr Räume und arbeitete sich zunehmend in die Partie zurück. In der 55. Minute war der Anschluss hergestellt. Ein Freistoß von Lukas Secco fand im Strafraum Sebastian Trenkmann, der sich durchsetzte und per Kopf zum 1:2 traf.
Aus Sicht der Gäste war der Entstehung des Treffers allerdings eine strittige Szene vorausgegangen. Donau reklamierte ein Foul am eigenen Kapitän, das ungeahndet blieb. Mattersburg nutzte die folgende Phase und bekam mit dem Anschlusstreffer zusätzlichen Rückenwind. Donau schaffte es nun nicht mehr, die Begegnung so zu kontrollieren wie noch vor der Pause. Die Hausherren drängten auf den Ausgleich, während die Gäste versuchten, ihren knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen.
Als Harvey Ortner in der 88. Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste, schien die Aufgabe für Mattersburg endgültig zu groß zu werden. Trotz Unterzahl warfen die Hausherren in der langen Nachspielzeit aber noch einmal alles nach vorne.
Dann kam die 97. Minute – und mit ihr eine Schlussaktion, die dieser Partie einen außergewöhnlichen Schlusspunkt verleihen sollte.
Mattersburg bekam noch einmal einen langen Freistoß zugesprochen. Selbst Torhüter Florian Kaltenböck hielt nun nichts mehr in seinem eigenen Strafraum. Der Schlussmann eilte mit nach vorne, der Ball landete tatsächlich bei ihm – und Kaltenböck machte das, womit wohl die wenigsten gerechnet hatten. Der Mattersburger Schlussmann nahm Maß und jagte den Ball zum 2:2 in den linken oberen Winkel. Ausgerechnet jener Kaltenböck, der beim ersten Donau-Treffer noch von Staudinger umkurvt worden war, avancierte mit der letzten Aktion selbst zum Torschützen und rettete seiner Mannschaft einen Punkt.
Unmittelbar danach war Schluss.
Für Mattersburg hätte die Partie kaum emotionaler enden können. Für Donau hingegen fühlte sich das Remis nach einer 2:0-Führung und dem Gegentreffer in der 97. Minute zwangsläufig wie eine Niederlage an. Gerade die starke erste Hälfte hatte gezeigt, welche Entwicklung die junge Mannschaft in den vergangenen Wochen genommen hat. Nach der Pause fehlte allerdings die Konsequenz, um die Begegnung weiterhin zu kontrollieren.
Stimme zum Spiel:
Dardan Zariqi (Trainer SV Donau):
Foto: MSV 2020