In der 2. Klasse Süd-West steht bei Union Raiffeisen Neukirchen/Enknach nach dem Abstieg ein größerer Umbruch an. Ex-Trainer Harald Erbschwendtner blickt dennoch nicht nur auf das Ende, sondern auch auf eine Phase zurück, in der Vorbereitung und Saisonstart noch Mut gemacht hatten. Danach kippte die Entwicklung, auch weil Erbschwendtner krankheitsbedingt lange ausfiel. Jetzt soll sich der Verein neu aufstellen und künftig stärker auf einheimische Spieler setzen.

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Wenn Harald Erbschwendtner auf die vergangenen Monate zurückblickt, beginnt seine Geschichte nicht mit dem Abstieg, sondern mit einer ordentlichen Vorbereitung. „Da waren alle sehr motiviert und die Einstellung hat gepasst“, sagt Erbschwendtner rückblickend. Auch wenn nicht jedes Testspiel vom Ergebnis her überzeugt habe, sei schon damals zu erkennen gewesen, „dass ein Potenzial da ist“. Genau an diesem Punkt setzt seine Einschätzung an. Er beschreibt keine Mannschaft, die von Beginn an in Schwierigkeiten gesteckt ist, sondern ein Team, das zunächst einen brauchbaren Anlauf genommen hatte. Auch der Pflichtspielstart habe das unterstrichen. „Der Start war dann sehr gut. Da haben wir die nötigen Punkte gemacht“, sagt Erbschwendtner. Mit diesen ersten Zählern sei Sicherheit gekommen, dazu Selbstvertrauen. Sein Eindruck: „Wir waren präsenter am Platz, und das hat man dann an den Ergebnissen gesehen.“ Gerade deshalb wirkt sein Rückblick nicht wie eine pauschale Abrechnung, sondern wie der Versuch, eine Saison zu erklären, in der der Bruch erst später gekommen ist.
Dieser Bruch hatte für Erbschwendtner viel mit seiner eigenen gesundheitlichen Situation zu tun. „Ich habe eine Lungenentzündung gekriegt und bin dann die restliche Saison fast nur mehr ausgefallen, weil ich nur mehr im Krankenhaus war“, schildert er. Er nennt das nicht als Ausrede, aber als zentralen Punkt, der den weiteren Verlauf beeinflusst habe. Die Aufgaben seien danach vom Kapitän übernommen worden, der zugleich sein Co-Trainer gewesen sei. Für dessen Einsatz findet Erbschwendtner deutliche Worte: „Hut ab, was er geleistet hat.“ Gleichzeitig beschreibt er sehr nüchtern, warum diese Lösung auf Dauer schwierig war. Der Kapitän habe sich in einer Doppelfunktion wiedergefunden und müsse sich dann eben nicht nur auf das eigene Spiel konzentrieren, sondern auch auf Aufstellung, Platz und Auswechslungen. „Das ist für einen Spielertrainer schwierig“, sagt Erbschwendtner. Wie hart diese Phase sportlich war, zeigen auch die nackten Zahlen am Saisonende: Die letzten fünf Partien gingen allesamt verloren. Damit bekam eine Entwicklung, die im Sommer noch ordentlich ausgesehen hatte, zum Schluss einen sehr klaren negativen Trend.
Dass sich nach so einer Saison personell etwas verändert, überrascht nicht. Erbschwendtner selbst ist nicht mehr Trainer des Vereins. „Wir haben uns beidseitig geeinigt, dass wir nicht mehr weitermachen“, sagt er. Auch im Kader gibt es Bewegung. Fix ist der Abgang von Lucian Stolojescu, der in der vergangenen Saison 20 Tore erzielt hat und nach UFC Lochen gewechselt ist. Zudem hat laut Erbschwendtner auch Adrian Dragomir den Verein verlassen. Bei möglichen Neuzugängen hält er sich zurück, weil es zwar Gespräche gegeben habe, er dazu aber nichts Verbindliches sagen könne. Klarer ist die Stoßrichtung, die ihm aus dem Verein mitgegeben wurde. „Der Verein möchte sich neu aufstellen in puncto Trainer, in puncto Spieler“, sagt Erbschwendtner. Und noch konkreter wird er bei der künftigen Ausrichtung: Es sollen „nur mehr einheimische Neukirchner spielen“. Dazu kommt mit Tobias Hötzenauer ein Spieler zurück, der vor rund einem Jahr einen Kreuzbandriss erlitten hatte, auch wenn Erbschwendtner dessen aktuellen Stand nicht näher einschätzen wollte.
Auffällig ist, dass Erbschwendtner in seinem Rückblick nicht nachtritt. Er benennt Probleme, aber er verteilt keine billigen Schuldzuweisungen. Über die stärksten Teams der Liga sagt er schlicht: „Die Mannschaften, die um den Titel mitgespielt haben, haben schon Qualität, die haben auch Klasse.“ Damit ordnet er auch ein, warum seine Mannschaft immer wieder an Grenzen gestoßen ist. Gleichzeitig spart er einen Punkt im eigenen Kader nicht aus. „Menschlich sind ohnehin alle in Ordnung“, sagt er, ergänzt aber auch, dass sich manche Spieler überschätzt und ihre Leistung nicht zum richtigen Zeitpunkt abgerufen hätten. Das ist eine kritische, aber keine laute Analyse. Am Ende überwiegt bei ihm trotz des schwierigen Abschieds ein versöhnlicher Ton. „Ich wünsche dem Verein alles Gute für die Zukunft“, sagt Erbschwendtner. Es sei „eine schöne Zeit“ gewesen, auch wenn die letzten Monate mit seiner Krankheit „für beide Seiten eine schwierige Situation“ gewesen seien. Für Union Raiffeisen Neukirchen/Enknach beginnt damit nun ein Neustart, den der ehemalige Trainer in einem Satz zusammenfasst: „Wenn man eine Liga tiefer spielt, muss man einfach vorne anfangen.“