Im Spitzenspiel der Bezirksliga Süd trennten sich die FC Hertha Wels Juniors und der SV St. Wolfgang/Rußbach am Samstagabend mit einem 1:1-Unentschieden. Aus Sicht von Neo-Trainer Alen Seferovic blieb nach dem Schlusspfiff ein Punkt mit zwei Gesichtern: Weil seine Mannschaft nach der frühen Führung ab der 15. Minute in Unterzahl agieren musste, überwog der Stolz auf Mentalität und Defensivarbeit. Gleichzeitig blieb das Gefühl, dass für die Juniors sogar mehr möglich gewesen wäre.
Die Gastgeber fanden nach den Worten ihres neuen Trainers zunächst genau so in die Partie, wie sie sich das vorgestellt hatten. "Wir waren am Anfang gut im Spiel drinnen", sagte Seferovic, und das ließ sich auch am Spielstand ablesen. In der 9. Minute brachte Mustafa Arsalah die Hertha Juniors in Führung. Seferovic sprach davon, dass seine Mannschaft "super im Flow" gewesen sei und eine gute Energie auf den Platz gebracht habe. Lange konnte sie diesen Start allerdings nicht in Ruhe weitertragen, denn nur wenige Minuten später änderten sich die Voraussetzungen komplett. Nach 15 Minuten sah ausgerechnet Torschütze Arsalah nach einer, wie Seferovic es nannte, "emotionalen Reaktion" die Rote Karte. "Für uns war dann entscheidend: Natürlich sind wir auch auf solche Situationen vorbereitet. Wir mussten unsere Ordnung anpassen, wollten unser Spiel aber trotzdem durchziehen", schilderte der Trainer. Genau darin sah er im weiteren Verlauf den Kern des Spiels.
In der Halbzeit habe seine Mannschaft, so Seferovic, "wieder eine gewisse Struktur gefunden" und sich noch einmal angepasst. Das war aus seiner Sicht notwendig, weil der Aufsteiger mit Überzahl und einer mutigen Spielanlage viel Druck aufbauen wollte. "Man hatte das Gefühl, sie sind hierhergekommen und wollten auch mitspielen", sagte der Wels-Coach über die Gäste, die hoch pressten und unbedingt etwas mitnehmen wollten. Der Ausgleich fiel dann in der 58. Minute, als Stefan Gassenbauer für St. Wolfgang zum 1:1 traf. Seferovic sprach dabei von einem "schönen Tor" des Gegners. Trotzdem beschrieb er seine Mannschaft nicht als Team, das nach dem Gegentreffer auseinanderfiel. Im Gegenteil: "Nach dem 1:1 hatten wir nicht das Gefühl, dass wir jetzt zusammenbrechen." Die Welser versuchten weiter, über Konter Nadelstiche zu setzen, und Seferovic betonte ausdrücklich, dass seine Mannschaft auch in Unterzahl "ein paar Mal vor dem Tor" gewesen sei. Gerade das gefiel ihm, weil seine Elf trotz der langen Unterzahl nicht nur verteidigen, sondern auch noch gewinnen wollte.
So blieb am Ende ein Ergebnis, das der Trainer durchaus einordnen konnte, ohne sich auf nur eine Sicht festzulegen. "Am Ende sind es gemischte Gefühle", sagte Seferovic. "Wenn man 75 Minuten in Unterzahl spielt, muss man mit dem Punkt zufrieden sein." Gleichzeitig verwies er darauf, dass seine Mannschaft lange geführt habe und über weite Strecken dennoch das Gefühl hatte, die Partie unter Kontrolle zu haben. Deshalb blieb neben der Freude über den einen Zähler auch Enttäuschung darüber, dass es nicht zu drei Punkten gereicht hat. Am meisten hob Seferovic aber die Haltung seiner Mannschaft hervor. "Die absolute Defensivleistung und die Mentalität haben mir sehr gut gefallen", sagte er. Mehr noch: "Man muss einmal mit zehn Mann 75 Minuten spielen können. Das ist vom Kopf her und auch von der Athletik her sehr schwer." Kritik wollte er kaum verteilen, weder intern noch groß in Richtung des Unparteiischen, dessen Leistung er insgesamt als "okay" und "durchschnittlich" einordnete. Viel lieber sprach er seiner Mannschaft Lob aus: "Sie haben Mentalität gezeigt, sie haben Charakter gezeigt." Für die Hertha Wels Juniors steht damit nach sechs Runden ein Punktgewinn, der hart erarbeitet war, und mit zwölf Zählern führen sie die Tabelle an.