Frauen in OÖ

ANDREA BINDER -Hallenmasters in Grieskirchen trägt das „Etikett“ einer echten „Pionierin“!

Seit 2023 firmiert die o.ö. Frauen-Landesmeisterschaft in der Raiffeisen-Arena unter dem Namen der allzu früh verstorbenen Kleinmünchen-„Ikone“, deren Lebenswerk das Ligaportal skizziert:

Im Trio jener, die Oberösterreichs Frauenfußball in den letzten Jahrzehnten prägten

Gemeinsam mit Karl Römer und Christl Holzmüller bildete die gebürtige Wienerin (1970) das „magische Dreieck“ ab Mitte der Neunziger-Jahre bis in die "Zwanziger" ab 2000.

Ihre Fußball-Karriere startete die Defensivspezialistin 1982 beim ESV-Ostbahn XI, spielte ab 1984 für den KSV der Wiener Berufsschulen und ab 1988 für den DFC Obersdorf. Zwischen 1992 und 1995 musste sie wegen einer Bandscheibenoperation ihre Laufbahn unterbrechen, feierte aber ab 1995 bei der Union Kleinmünchen ihr Comeback und beendete 2009 ihre Karriere, in der sie 3 x den österreichischen Staatsmeistertitel ,2 Österreichische Cupsiege, 1 Meistertitel in der 2. Liga Mitte-West, 4 Championate in der O.Ö. Landesliga und 2 Pokalsiege im O.Ö. Frauencup feiern konnte.

Legendär und symbolisch: O.Ö. Cupfinale 2005 gegen ASKÖ Dionysen/Traun

Im Endspiel des o.ö. Frauencups traf Spielführerin Binder mit ihren Youngsters und einigen Routiniers auf den Favoriten ASKÖ Dionysen Traun und der bewies mit einer zwischenzeitlichen 3:1-Führung auch gleich seine Vormachtstellung. allerdings kämpfte sich „Underdog“ Kleinmünchenn1 c auf 3:3 heran und zum entscheidenden Elfmeter trat die Kapitänin an … und verwandelte zum vielumjubelten 5:3 und damit zum Cupsieg! Just zum 25- Jahre Jubiläum ihres „Herzensvereines“ Union Kleinmünchen steuerte die 1 c mit ihr als Anführerin auch noch den Meistertitel in der 1. Frauenklasse bei!

Volle Kraft für Organisation und Entwicklung

2009 hing die Austria-Wien-Anhängerin ihre Fußballschuhe an den berühmten Nagel, auch weil sich ihre sportliche Laufbahn mit ihrem Beruf als EDV- Spezialistin und den verschiedenen Funktionärstätigkeiten nicht mehr vereinbaren ließ. Schon während ihrer Zeit als Aktive kümmerte sich die Allrounderin emsig um die Organisation des traditionellen Kleinmünchen-Hallencups, sowie den 16 x durchgeführten „Keine Sorgen Lady Soccer Cup“ und den „Richard-Stadler-Hallencup“, „Vorgänger des „Andrea Binder-Hallencups“!

Gemeinsam mit der kongenialen Obfrau Kleinmünchens und "Seelenverwandten" Christl Holzmüller hatte das „Multitalent“ maßgeblichen Anteil an der Erfolgsgeschichte der Union Kleinmünchen, die nach wie vor zu den erfolgreichsten Frauenfußballteams Österreichs zählt.

Dazu kam ihr Engagement als Stellvertreterin von Karl Römer, Referent für Frauenfußball im OÖFV, das Römer in einem Interview folgendermaßen würdigte: „Auf Andrea und Christl (Holzmüller), die beiden „Perlen“ der U. Kleinmünchen, kann ich mich 100- prozentig verlassen!

„Vorreiterin“ im Internet!

Abseits ihrer Anstrengungen für die sportlichen Erfolge Kleinmünchens und den Aufschwung im o.ö. Frauenfußball wartete die „Arbeitsbiene“ im April 1999 mit einer tollen, neuen Informationsquelle auf: sie ging mit der Homepage: www.frauenfussball.at online. In diesem damals umfangreichsten und Informativstem Frauenfußball-Portal fanden sich unzählige, aktuelle Infos über Frauenfußball-Meisterschaften, Pokale, A- und Nachwuchsteams des ÖFB, internationale Bewerbe usw… usf… eine wahre Fundgrube für die Fans!

Aus erster Quelle……

Sport- Journalisten der oberösterreichischen Printmedien wussten es immer zu schätzen, wenn die Unermüdliche und Best-informierte bereitwillig am Wochenende mit den aktuellen Ergebnissen der Union Kleinmünchen aufwartete und dabei nie vergaß, auch die Leistungen der Gegnerinnen und der Schiedsrichterinnen äußerst fair zu beurteilen.

Verdiente Ehrungen

Gemeinsam mit dem Linzer Frauenbüro realisierte die Idealistin und Kämpferin für den Nachwuchs ab 2014 den jährlichen Fußball-Aktionstag für Mädchen, deshalb wurde sie 2020 auch von der Stadt Linz besonders geehrt, was sie echt rührte:„2020 hat den Verein und mich der Frauenpreis der Stadt Linz 2020 für herausragendes frauenpolitisches Engagement am meisten gefreut, weil die Union Kleinmünchen für ihr 40-jähriges, von Erfolg gekröntes, Bestehen und die sportliche und gesellschaftliche Pionierarbeit im Frauenfußball ausgezeichnet wurde; auf dieselbe Stufe stelle ich die Verleihung der Gleichstellungsmedaille der Stadt Linz im Jahr 2015“, darüber konnte sich die „Ikone“ um Anerkennung des Frauenfußballs noch sehr freuen, als sie bereits einem übermächtigen Gegner ihrer Gesundheit all ihre Kampfkraft entgegensetzen musste.

Letztes Ausrufezeichen!

Der Schulterschluss zur Spielgemeinschaft zwischen der Union Kleinmünchen und Blau-Weiß Linz am 1. Juni 2021 wurde noch von ihr als Sektionsleiterin Kleinmünchens mitvorbereitet und auch noch vor ihrem Ableben von ihr ratifiziert.

Am 21. Mai verstarb Andrea Binder im 51. Lebensjahr nach schwerer Krankheit. Mit dem Linzer Traditionsverein trauerten die Familie, Freunde, Konkurrenten und Funktionär*innen um eine faire Sportlerin, ein überragendes Organisationstalent und vor allem eine Frau, die auch abseits des Fußballplatzes durch ihren unermüdlichen Einsatz für ihre Mitmenschen eine kaum zu schließende Lücke hinterließ.

Helmut Pichler