Frauen in OÖ

„NEWCOMER“ Ricardo Koller übernahm auf der Kommandobrücke der SPG Hagenberg / Schweinbach / Kefermarkt 1b!

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Das neu installierte Team in der Frauenklasse Nord/Ost hört seit Anfang September auf einen neuen Cheftrainer; das LIGAPORTAL bat ihn um das folgende, ausführliche Interview:

 

Ligaportal: Herr Koller, was hat Sie bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen, wie groß ist (oder war) Ihre Affinität zum Fußball, welche beruflichen Anforderungen?

Ricardo Koller: "Grundsätzlich habe ich schon länger darüber nachgedacht, weil ich bereits vorher sehr viel Kontakt mit den Mädels und der Mannschaft hatte. Meine Freundin Bettina Gstöttenmayr ist Sektionsleiterin und dadurch waren wir eigentlich bei allen Spielen dabei, bei denen es sich zeitlich ausgegangen ist.

Fußball hat mich selbst schon immer sehr begeistert. Ich habe früher selbst Fußball gespielt, musste dann allerdings aus gesundheitlichen Gründen damit aufhören. Diese Probleme habe ich mittlerweile zum Glück im Griff. Später hat mir dann vor allem beruflich die Zeit gefehlt, um wieder regelmäßig zu trainieren. Meine Begeisterung für den Fußball ist aber immer geblieben und ich habe eigentlich jede freie Minute genutzt, um Spiele anzuschauen und selbst hobbymäßig zu spielen. Als die Frage aufgekommen ist, ob ich die 1b übernehmen würde, habe ich trotzdem zunächst abgesagt. Ich arbeite bei der Berufsfeuerwehr Linz und habe dort 24-Stunden-Dienste. Dadurch ist es natürlich nicht immer ganz einfach, Beruf und Trainings- beziehungsweise Spieltermine unter einen Hut zu bekommen und alles entsprechend einzuteilen. Zusätzlich bin ich auch noch bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv und übe dort Funktionen aus. Deshalb war für mich anfangs schon die große Frage, ob sich das alles zeitlich vereinbaren lässt. Nachdem sich aber niemand für die Aufgabe gefunden hat, habe ich gesagt: Bevor am Ende gar niemand da ist, übernehme ich die Mannschaft und unterstütze das Team.

Natürlich versuche ich jetzt, meine Dienste und die anderen Verpflichtungen so gut wie möglich mit dem Fußball abzustimmen, damit ich bei den Trainings und Spielen dabei sein kann. Bis jetzt finden wir eigentlich immer einen Weg, dass sich das alles irgendwie ausgeht.

Das heißt aber keinesfalls, dass ich die Aufgabe nur nebenbei mache – wenn ich etwas mache, dann mit 100 Prozent. Oder in diesem Fall eher mit 1000 Prozent. Meine Freizeit besteht derzeit also hauptsächlich aus meiner Arbeit, meinen Aufgaben bei der Freiwilligen Feuerwehr und natürlich dem Fußball. Aber ich mache das sehr gerne und mit voller Überzeugung“.

Waren Sie bisher schon im Mädchen- oder Frauenfußball als Coach tätig?


„Nein, tatsächlich nicht. Ich war bisher weder im Mädchen- oder Frauenfußball noch bei Burschen oder Männern als Trainer tätig. Das ist meine erste Trainerstation und natürlich muss ich mich in diese Aufgabe erst hineinfinden und ständig dazulernen. Ich beschäftige mich deshalb auch intensiv damit, wie man Trainingseinheiten sinnvoll aufbaut, welche Übungen für unsere Mannschaft geeignet sind und wie wir die Spielerinnen bestmöglich weiterentwickeln können. Dafür nutze ich natürlich auch entsprechende Trainingsunterlagen und Nachschlagewerke. Mein Ziel ist es, den Mädels Schritt für Schritt das nötige Werkzeug mitzugeben, damit sie sich weiterentwickeln und das dann auch in den Spielen umsetzen können“.

Ligaportal: Wer unterstützt Sie in dieser Funktion, wie ist die Aufteilung der Agenden?

„Unterstützt werde ich von meinen beiden Co-Trainern Moritz Bleil und Markus Affenzeller. Beide waren bereits mit den Mädels im Nachwuchsbereich tätig und kennen daher viele Spielerinnen sehr gut. Auch bei der Kampfmannschaft gibt es neben Cheftrainer Kevin Schinnerl zwei Co-Trainer. Diese personelle Aufteilung ist auch notwendig, denn bei unseren Trainingseinheiten sind teilweise knapp 40 Spielerinnen dabei. Eine solche Anzahl kann man kaum sinnvoll mit nur zwei oder drei Trainern betreuen. Ich denke deshalb, dass wir derzeit insgesamt mit 6 Coachs sehr gut aufgestellt sind“.

Ligaportal: Wie oft wird bei Ihnen trainiert, gemeinsam mit dem A-Team?

"In der Vorbereitung haben wir dreimal pro Woche trainiert. Während der laufenden Saison sind es zwei Trainingseinheiten pro Woche plus das jeweilige Meisterschaftsspiel. Wir trainieren an denselben Tagen wie die Kampfmannschaft, allerdings getrennt. Die 1b absolviert ein eigenes Training, weil natürlich teilweise andere Übungen und Trainingsschwerpunkte notwendig sind. So können wir gezielt auf unsere Mannschaft und deren Entwicklungsstand eingehen“.

Ligaportal: Kevin Schinnerl sprach davon, dass man personell „aus dem Vollen schöpfen“ könne. Ist das gleichgeblieben?

„Ja, grundsätzlich ist das personell gleichgeblieben und wir sind sehr gut aufgestellt. Kevin Schinnerl ist aktuell Cheftrainer unserer Kampfmannschaft und ich bin für die 1b verantwortlich. Natürlich müssen wir uns vor den jeweiligen Spielen immer entsprechend abstimmen. Es kann sein, dass Spielerinnen auf Urlaub, krank oder aus anderen Gründen verhindert sind.

Dann besprechen wir gemeinsam, wie wir die beiden Mannschaften für das jeweilige Wochenende am besten aufstellen und welche Spielerinnen in der Kampfmannschaft beziehungsweise in der 1b zum Einsatz kommen.

Dazu ist von Woche zu Woche eine gewisse Abstimmung zwischen den Trainern nötig und gehört bei zwei Mannschaften einfach dazu. Grundsätzlich haben wir aber einen guten und ausreichend großen Kader, um sowohl die Kampfmannschaft als auch die 1b entsprechend zu besetzen“.

Ligaportal: Die Premiere gegen FNZ Linz Süd Ebelsberg ging knapp verloren, war es trotzdem ein guter Gradmesser?

"Auf jeden Fall. Natürlich hätten wir das Spiel gerne gewonnen, aber die knappe Niederlage war für uns überhaupt kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Man darf nicht vergessen, dass es unser erstes gemeinsames Spiel war und sich viele unserer Spielerinnen untereinander noch kaum kannten. In der 1b sind sehr viele Spielerinnen aus den Nachwuchsmannschaften von Kefermarkt, Hagenberg und Schweinbach zusammengekommen. Dazu verstärken auch erfahrenere

Spielerinnen aus der Kampfmannschaft unser Team. Dadurch ist im Grunde eine komplett neue Mannschaft entstanden, die sich erst finden muss.

Die Spielerinnen müssen sich kennenlernen und herausfinden, wie die jeweils andere spielt. Wer macht welche Laufwege, wo liegen die Stärken der einzelnen Spielerinnen und wie können wir diese als Mannschaft nutzen? Das braucht einfach Zeit.Wir versuchen deshalb auch, unsere Spiele soweit wie möglich, aufzuzeichnen und anschließend anhand der Videos gemeinsam zu analysieren, was gut funktioniert hat und was wir besser machen können. Der Fokus liegt in dieser Saison ganz klar darauf, als Mannschaft zusammenzuwachsen und ein gemeinsames Spielverständnis zu entwickeln.

Ich bin überzeugt davon, dass wir im Laufe der Saison stärker werden, wenn die Abläufe besser funktionieren und wir uns als Mannschaft immer besser finden".

Ligaportal: Im zweiten Spiel musste Ihr Team gegen die SPG Ladies Perg/Windhaag viel Lehrgeld zahlen. Kann man auch aus solchen

Spielen Positives mitnehmen?

„ Natürlich. Gerade aus solchen Spielen kann man sehr viel mitnehmen. Bei einigen unserer Spielerinnen ist natürlich auch ein deutlicher Alters- und körperlicher Unterschied zu den Gegnerinnen vorhanden. Das soll für uns aber keine Ausrede sein. Wir gehen in jedes Spiel mit dem Anspruch hinein, alles zu geben.Nach solchen Partien schauen wir uns an, was funktioniert hat, wo unsere Fehler gelegen sind und was wir beim nächsten Mal besser machen können. Genau solche Erfahrungen gehören zur Entwicklung einer Mannschaft dazu.

Wir trainieren intensiv und verlangen den Spielerinnen auch einiges ab. Wenn die Mädels diesen Weg mitgehen, weiterhin fleißig trainieren und bereit sind, an sich zu arbeiten, bin ich überzeugt davon, dass sich diese Arbeit mit der Zeit auch in den Ergebnissen widerspiegeln wird".

Ligaportal: Gegen ASV Behamberg/Haidershofen gab es mittlerweile mit dem 0:0 den ersten Punkt. Wie fällt Ihr Fazit aus und wie blicken Sie auf die kommenden Spiele?

"Mit dem 0:0 können wir grundsätzlich zufrieden sein, auch wenn aus meiner Sicht durchaus mehr möglich gewesen wäre. Ich habe uns in diesem Spiel als sehr gutes und vor allem geschlossenes Team gesehen. Wir haben uns viele Torchancen herausgespielt und waren meiner Einschätzung nach über weite Strecken auch die bessere Mannschaft. Leider hat uns an diesem Tag nur der Torerfolg gefehlt. Das ist natürlich schade, weil wir uns für unsere Leistung gerne mit drei Punkten belohnt hätten. Trotzdem war das Spiel für mich ein weiterer Schritt in die richtige Richtung und zeigt, dass die Arbeit im Training langsam Früchte trägt. Genau daran wollen wir jetzt anknüpfen. Wir werden weiterhin intensiv arbeiten, versuchen, uns von Spiel zu Spiel zu verbessern und wieder mit derselben Einstellung in die nächsten Partien gehen. Wenn wir uns weiterhin so viele Chancen erarbeiten und als Mannschaft geschlossen auftreten, bin ich zuversichtlich, dass wir uns in den kommenden Spielen auch mit weiteren Punkten belohnen können“.

Ligaportal: Welche Ziele haben Sie mit den Spielerinnen im Debüt-Jahrin der Frauenklasse?

"Das wichtigste Ziel ist ganz klar, dass wir zusammenwachsen und eine richtige Mannschaft werden. Die Spielerinnen sollen sich gegenseitig kennenlernen und ein Gefühl dafür entwickeln, wie die Mitspielerinnen agieren: Wer bewegt sich wohin, wer braucht welchen Ball, wo liegen die jeweiligen Stärken und wie können wir uns gegenseitig unterstützen? Ein weiterer wichtiger Punkt ist, vor allem jene Spielerinnen, die aus dem Nachwuchs gekommen sind, Schritt für Schritt an den Erwachsenenfußball heranzuführen. Einige unserer Mädchen sind erst 14 Jahre alt und treffen teilweise auf Gegenspielerinnen, die fünf oder sogar zehn Jahre älter sind. Das ist natürlich eine große Umstellung – gerade was Tempo, Zweikampfführung und Körpereinsatz betrifft.

Genau darauf wollen wir sie vorbereiten. Sie sollen lernen, sich auch gegen körperlich stärkere und erfahrenere Spielerinnen zu behaupten, mutig in die Zweikämpfe zu gehen und trotzdem Fußball zu spielen. Dafür müssen wir ihnen aber auch die notwendige Zeit geben.

Für mich steht deshalb in dieser ersten Saison nicht irgendeine bestimmte Tabellenplatzierung im Vordergrund. Es geht darum, als Mannschaft zusammenzuwachsen, Erfahrungen im Erwachsenenfußball zu sammeln und jede einzelne Spielerin weiterzuentwickeln. Wenn wir diesen Weg konsequent weitergehen, werden auch die entsprechenden Erfolge kommen!"

Herzlichen Dank für das ausgiebige Gespräch, ich wünsche Ihnen, dass Ihr sich Ihr Einsatz und Ihre Leidenschaft auf Ihr Team überträgt und Sie gemeinsam die Früchte für die Anstrengungen ernten können!

Helmut Pichler