Ich glaube, jeder wird die Entscheidung von Dieter Aichmayr nachvollziehen können. Auch wenn sein plötzlich verkündetes Karriereende Sattledt völlig überraschte. „Er war ein irrsinnig wichtiger Spieler für uns, den wir erst einmal ersetzen müssen“, ist der Verlust des verlässlichen Allrounders für Sportchef Hubinger nur schwer zu verkraften – aber dennoch nachvollziehbar. Wie oft schon haben manche ein latentes Risiko leichtsinnig übertaucht, um dann die Rechnung präsentiert zu bekommen. In diesem Fall geht es nicht um Kleinigkeiten. Es geht um das Leben, um die Gesundheit. Die für Aichmayr nun Vorrang hat. Es mag sich etwas dramatisierend anhören, doch die Fortsetzung seiner Laufbahn wäre jedes Wochenende, jede Runde ein weiteres Spiel mit beziehungsweise gegen den Tod gewesen.
Zumal uns die jüngere Vergangenheit gelehrt hat, welche Dramen sich auf
Fußballplätzen ereignen können. Bei Herzerkrankungen ist einfach nicht
zu spaßen. Und man muss auch abwägen. Dass man wie Gerald Asamoah stets
einen Defibrillator am Spielfeldrand als treuesten „Anhänger“ bei jeder
Partie dabei hat, wird neben Aichmayr auch für viele andere nicht
akzeptabel und vorstellbar sein. Doch der Schalke-Offensivgeist hat
einen gut dotierten Vertrag, eine beachtliche Karriere und noch immer
sportliche Perspektiven. Wohl wissend, bei einer Verschlechterung des
Gesundheitszustandes ständig die Reißleine ziehen zu können. Was aber
hat Didi Aichmayr? In erster Linie Frau und Kind. Aber keine Gage in
Millionenhöhe, die ihn für eine kurze Verlängerung seiner Karriere über
das Risiko hinwegsehen lässt. Und auch nicht die Aussicht, irgendwann
im Profifußball Fuß fassen zu können.
Die Zukunft des Ex-Sattledters liegt in seinem Brotjob. Bei seiner
Familie, für die er Verantwortung zu tragen hat. Für beides ist
Gesundheit Voraussetzung. Weshalb schnell klar war: Abgesehen von den
paar hundert Euro wäre Aichmayr nichts außer dem Risiko geblieben.
Insofern hat der 27-Jährige die richtige Entscheidung getroffen. Die
vernünftige Antwort auf seinen alarmierenden Arztbesuch in der Vorwoche
gefunden. Und ich bin der Meinung, er hat sich die medialen
Schlagzeilen verdient. Denn Aichmayr hat es geschafft, rechtzeitig
abzuspringen. Die tickende Zeitbombe zu entschärfen. Und nicht dann
österreichweit Nachrichten-Headliner zu füllen, wenn es zu spät gewesen
wäre.
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