Ich sollte Recht behalten. Der Klang der Vuvuzelas hört sich an wie ein Hornissenschwarm und strapazierte das Nervenkostum so manchen Zuschauers, weil er 90 Minuten durchgängig zu hören ist. Und es gab schöne bunte Bilder, ein wunderschönes Tor sowie die “Eh scho wissen”-Partie am ersten Tag. Aber der Reihe nach. Das Tor des Eröffnungstages gelang Tshabalala für die Gastgeber im Match gegen Mexiko. Das war ein Tor, das in seiner Entstehung und Vollendung vielleicht ein wenig die Richtung für diese WM – was zumindest die Vorrunde betrifft - vorgibt: Wer am schnellsten läuft und alle stehen läßt, wer dann auch noch den satten Hammer pflegt, der wird den Konter erfolgreich abschließen und so manchen Favoriten von den Wolken holen. Mexiko war ja auch nicht schlecht, aber vom Hocker haben mich die Mittelamerikaner auch nicht gerade gerissen.
Parfümkäufer bei Douglas
Am Abend wurde mir klar, warum mir bei allen Fragen nach dem
WM-Favoriten nie die Franzosen eingefallen sind. Die spielen derzeit so,
wie ihr Trainer schaut: Arrogant bis dorthinaus. Das wars, was mir zwar
immer im Hinterkopf gesessen, aber bei den Franzmännern erst
eingefallen ist, als ich sie gegen die Uru-Mauer anlaufen sah. Was ist
unter Domenech aus Frankreich geworden? Eine abgehobene Truppe. Früher hatten die den Hang zu einem technisch
begeisternden D-Zug, der durch die gegnerischen Reihen brauste. Jetzt
bewegen sie sich wie eine Truppe von Herrenparfum-Käufern bei Douglas.
Deshalb waren die hellblauen Burschen aus Uruguay auch so etwas wie
meine sentimentalen Favoriten im Spiel. Schon in der Schule war mein
Lieblingsfach Geografie und da hat mich als Geo- und Fußballfan immer
schon fasziniert, dass Montevideo (Hauptstadt Uruguays) und Buenos Aires
(Hauptstadt Argentiniens) in der Flußmündung des Rio de la Plata
gegenüber liegen, dass die hellblauen Farben beide Länder prägen und
dass die Namen der Städte so schön ins Ohr gehen. Der “Montevideo - Berg
der guten Aussicht” und die “Buenos Aires - gute Luft” - so hab ich das
für mich immer übersetzt und mir so bis heute gemerkt.
Die Franzosen jedenfalls haben den Berg der guten Aussicht gestern nicht
bezwingen können, mit der laschen Einstellung war das auch kein
Wunder. Domenech hat sogar in der Schlussphase noch ein Gesicht gemacht,
als ob ihn seine Frau gerade gefragt hat, ob ihm das oder jenes Kleid
besser gefällt: uninteressiert. Aber klar ist auch: Diego Forlan alleine
macht das Kraut der Uru’s nicht fett, ansonsten spielen sie auf einem
Niveau, das ich in etwa mit Österreich auf eine Stufe stelle. An guten
Tagen würden wir die vom Berg der guten Aussicht holen, an schlechten
würde uns Forlan auf die Alm schießen, vor allem wenn Suderant Stranzel
wieder spielen würde.
Ein Ländermatch gegen die Uru’s wär daher interessant. Denen geht es ja
ähnnlich wie uns, sie waren 2 x Weltmeister –zuletzt 1950, wir waren
Dritter 1954. Und seither haben beide nimmer viel dazugelernt, sind auf
dem Niveau von vor 60 Jahren stehen geblieben. Ich gebe aber beiden –
Uru’s und Ösi’s – die Chance, mich vom Gegenteil dieser frechen
Behauptung zu überzeugen. Ich würde mich sogar freuen, wenn ich
diesbezüglich eine auf den Deckel bekäme. Also, liebe Uru’s, gebt Gas.
Und meine Ösi’s, die EM-Quali müsst ihr euch holen.
Vorschau:
Südkorea-Griechenland
Otto Rehakles wird sich und seine Burschen warm anziehen müssen. Aber
nicht wegen der herrschenden 10 Grad sondern wegen des südkoreanischen
Wirbelwinds. Da tipp ich auf Südkorea. Otto wird Beton anrühren und auf
Konter spielen, Südkorea wird 90 Minuten anlaufen.
Argentinien-Nigeria
Wenn da die von vielen so geliebten Argentinier nicht gleich mal eine
vor den Latz bekommen? Niemand hat Nigeria, alle haben Elfenbeinküste
auf der Rechnung. Ich würde sagen: Lionel & Co, passt auf, die
Nigerianer sind ein Horde von 1.90-Prügeln. Baumlange Fighter gegen die
körperlich schwer anzukommen ist. Da braucht es kreative Ideen und
Genieblitze.
England – USA
Wenn man von der Papierform ausgeht, müssten Wayne Rooney & Co hier
eigentlich als Sieger vom Platz gehen. Aber: Die Engländer enttäuschen
immer und immer wieder bei Großereignissen und die Amerkaner überraschen
immer wieder bei selbigen. Daher ist das keine gmahte Wiesen für
England. Ein gutes Match für einen Überraschungstipp beim Wettpartner...
Ab 20:30 ist das Match auf Videowalls im Fifty-Fifty zu sehen!
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