98:46 = 2,13. Während Gynäkologen hinter dieser Zahl den Pearl-Index und Meteorologen die Niederschlagsmenge pro Quadratmeter vermuten, so haben Fußballverrückte bei einem Blick in die OÖ-Liga-Statistiken schnell Gewissheit: Das Ergebnis dieser simplen Rechnung ist Vöcklamarkts Punkteschnitt pro Spiel seit Sommer 2008. Unglaublich, aber Tatsache. Und daher eigentlich nur einseitig interpretierbar: Diese Truppe ist ein Hammer! Nicht nur, weil die Punkteanzahl allein respekteinflößend ist, bei einem Sieg anstelle des 1:1 gegen Mondsee nach nur 46 Spielen die 100-Zähler-Marke geknackt werden hätte können. Nicht nur, weil die Vietz-Elf als einzige Mannschaft im Frühjahr noch ungeschlagen ist und damit auf Meisterkurs liegt. Sondern vor allem, weil der Tabellenführer (offenbar) so viel richtig macht. Hier ein Versuch, das Erfolgsgeheimnis zu analysieren – jedoch ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Am Anfang war das Ziel. Welches in Zeiten der Schnelllebigkeit in der
Welt des runden Leders aber nicht primär am Parameter Erfolg bemessen
wurde. Es gibt keine Fünfjahres-Konzepte, die Vöcklamarkt 2013 im
Titelkampf der zweithöchsten Spielklasse sehen (möchten). Es gibt nicht
einmal die Vorgabe, dass man heuer Meister werden muss. „Der LASK holt
den Titel. Wir wollen einfach schönen Fußball spielen und unseren Fans
Freude bereiten“, sagt Trainer Karl Vietz und verweist dabei auf die
personellen Möglichkeiten der Linzer, die im Saisonfinish noch mehr als
ohnehin schon während der Saison auf Verstärkungen aus dem
Bundesliga-Kader setzen werden. Aus sportlicher Sicht ist die Behauptung
von Vietz freilich Understatement. Aber es unterstreicht jene
Gelassenheit, die daraus resultiert, weil der Klub anders als bei manch
anderen Beispielen aus der Vergangenheit etwa wegen der Rechtfertigung
hoher Investments, des Verlangens eines Sponsors oder der Vorstellungen
von Spielern und Funktionären nicht aufsteigen „muss“. Dafür stets
betont hat, aufsteigen zu „können“. Im Gegensatz zu vielen anderen
OÖ-Ligisten, die aus budgetären, organisatorischen oder
infrastrukturellen Gründen den Sprung in die zugegeben unattraktive
Regionalliga nicht wagen würden.
Es ist dieser flexible Plan, der Vöcklamarkt wettbewerbsfähig macht. Vor
allem aber das Ziel dieses Plans, der eben die Weiterentwicklung des
Vereins in den Vordergrund gestellt hat – und bei dem die einzelnen
Erfolgskriterien aufeinander aufbauen. Das Schaffen eines Umfelds und
einer Basis, um langfristig attraktiven Fußball bieten zu können, steht
über dem kurzfristigen Erfolg. Daher verfügt man mittlerweile über ein
topmodernes Klubheim, exzellente Trainingsmöglichkeiten und einen
Kunstrasenplatz. So wird man eine attraktive Anlaufstelle für Spieler.
Bei denen jedoch eine klare Philosophie verfolgt wird: Nicht umsonst ist
der Kern der Mannschaft seit Jahren unverändert geblieben, nur
punktuell eine leichte Fluktuation herbeigeführt worden. Es kann
natürlich auch alles bloß Zufall sein. Dass die Vöcklamarkter problemlos
die Langzeit-Ausfälle von Stammspielern wie Leinberger und Aichinger
wegstecken. Dass sie etwa mit den Sammer-Zwillingen oder Gegenleitner
die besten Talente der Region nicht nur gefunden, sondern zu
OÖ-Liga-Spielern geformt haben. Dass just mit der Verpflichtung von Karl Vietz im Sommer 2008 der verblüffende Erfolgslauf seinen Anfang
nahm. Dass Vöcklamarkt der letzte echte Fanmagnet und das derzeit
einzige Aushängeschild in der Region ist, die Oase auf verbrannter Erde,
die Schwanenstadt und Vöcklabruck, bei denen das Umfeld den unter hohen
Geldeinsatz kurzzeitig erreichten Kurzzeit-Visionen stets
hinterherhinkte, hinterlassen haben. Es könnte alles Zufall sein. Nicht
aber bei einem Punkteschnitt von 2,13.
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